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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 3 · p. Seite 351

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 3
Article
Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
Date
1890-01-01
Page
Seite 351 (sequence 33)
Language
German
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Kracaner: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. 351 sie nicht mehr; durch Gebet und Fasten — der nächste Tag ward als Fasttag ausgerufen — sowie durch geeignete Vertheidigungsanstalten suchten sie das drohende Unheil abzuwenden. Die Mehrzahl von ihnen befand sich am Nachmittag des 22. August noch in der Synagoge, als sich plötzlich um 5 Uhr Volksmassen mit wüstem Heulen und Schreien der Bornheimer Pforte näherten. Sie fanden sie verschlossen und mit Fässern, Bänken, Steinen u. s. w. wohl verbarrikadirt. Dahinter stand ein großer Theil der Judenschaft mit Hellebarden und Schwertern bewaffnet, um den Handwerksgesellen, von welchen einige Rapiere, aber keine Schußwaffen trugen, und dem Pöbel den Eingang streitig zu machen. Manchen Juden, welche durch befreundete Christen gewarnt worden waren, war es gelungen, schon vorher aus der Gasse zu fliehen und Schutz und Unterkommen zu finden. Besonderes Verdienst um die Juden erwarb sich ein „köstlicher" Rathsherr — seinen Namen verschweigt uns das Lied — der etwa 60 der Unglücklichen, darunter 10 Wöchnerinnen, in sein Haus und seinen großen Garten aufnahm und jede Belohnung für seine Menschenfreundlichkeit entschieden zurückwies^). Der größte Theil der Frauen und Kinder hatte sich auf den Friedhof gerettet und wartete daselbst mit Bangen der kommenden Ereignisse 2). Das Thor der Gasse widerstand allen Versuchen, es zu sprengen. Mit Steinwürfen verwundeten die Juden viele von denen, welche sich zu weit an dasselbe heranwagten. So verging eine Stunde nach der anderen; der Rath, für sein eigenes Leben fürchtend, hatte nicht den MuLH, die Aufrührer von ihrem frevelhaften Unternehmen zurückzuhalten; er überließ die Juden ihrem Schicksal. Freilich würde auch seine Stimme machtlos im Aufruhr verhallt sein; wurde doch sogar einer der Subdelegirten, Faber, der, von auswärts kommend, die Wüthenden beschwichtigen wollte, von dem Sachsenhäuser Georg Ebel mit Gewalt in seine Wohnung gebracht ^). Zwei Juden hatten sich zum Ausschuß und dem älteren Bürgermeister begeben und fußfällig um Beistand gebeten; beide erklärten, ihnen nicht helfen zu können. Ersterer hatte ganz den Kopf verloren und bot ein Bild der kläglichsten Ratlosigkeit dar"). Dann die Loneim (Feinde) hatten das Maul aufgespannt, sie sollten sich hart wider uns leihnen. t) Strophe 25. 2) 1. e. Nr. 24. 2) Brgun. Bd. 22 Nr. 123. 4) Nach dem hebräischen Bericht; nach einem anderen Bericht (Kais. Com. Bd. 59) erklärte er den Inden, er sei selbst vor ihrer Gasse gewesen, es sei nur ein Gelaufe und habe nichts zn bedeuten. Er galt übrigens als ein Anhänger Weitz'. — Zeitschr. f. d. Gesch. d. Juden i. Deutscht. IV. 23

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