Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 350 (sequence 32)
- Language
- German
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350 Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1613. die Subdelegirten, da der „goldene Löwe" vom Ausschuß mit Wachen umgeben ward, als Gefangene gänzlich in der Hand der radicalen Partei. Auf einmal erscholl unter den Handwerkern der Ruf: Plünderung der Judengasse! Bon wem er ausgegangen war, haben die späteren Untersuchungen nicht ermitteln können. Nur haben Fettmilch und Gerngroß selbst eingestanden, daß einige Tage zuvor und auch sonst auf der Schmiedtstube die Rede davon gewesen wäre, man müsse einmal die Juden plündern Ferner steht fest, daß Weitz um diese Zeit sich in ähnlichen Aeußerungen erging. Berücksichtigen wir noch die Haltung des Ausschusses kurz vor und während der Plünderung, und daß er den Gesellen vorgespiegelt hatte, das Vorgehen der Subdelegirten sei durch die lügenhasten Berichte der Juden an den Kaiser veranlaßt worden (Vincenzlied Strophe 21), so dürfen wir wohl behaupten, daß die revolutionäre Partei die Handwerker dazu aufgestachelt hatte. Sie besorgte, daß am Ende doch die Zünfte von ihr abfallen und sie der Rache des Kaisers preisgeben könnten. Durch eine entschiedene That, zu welcher sie die Menge verleiten wollte, gedachten sie einerseits deren schlimme Neigungen zu befriedigen, andrerseits ihr keine andere Wahl zu lassen, als sich dem Aufstande bedingungslos anzuschließen. Fettmilch, auf die Erregtheit der Handwerksgesellen, welche arge Ausschreitungen befürchten ließ, aufmerksam gemacht, antwortete nur, um 4 Uhr nachmittags seien sie auf die Schmiedtstube beschieden, da werde man sehen, was es geben werde '). Zur festgesetzten Stunde erschienen diese auch und erklärten dem versammelten Ausschuß, „sollten ihre Namen an den Galgen geschlagen werden, so wollten sie es auch redlich verdienen". Keiner von dem Ausschuß erhob seine Stimme dagegen; kühl bemerkte man nur den Gesellen, „sie möchten thun, was sie nicht lassen könnten". Dadurch wurden diese nur noch mehr in ihrem Vorhaben gestärkt. Bald scharte sich um sie ein wüster Pöbelhaufen; mit diesem vereint zogen sie gegen die Judengasse. Bereits am Sonntag den 21. August, also bevor noch die unheilvolle Unterredung der Subdelegirten mit den Altgesellen stattgefunden hatte erfuhren die Juden, daß die Gasse geplündert werden würde ^). Unter größter Angst verbrachten sie diesen Tag; auf menschliche Hilfe rechneten t) Kais. Com. I'om. 29. -) 1. e. s) Auch dieses zeigt, daß der Ueberfall gegen die Juden im voraus geplant war. S. das Vincenzlied Strophe 20: „Da Jom rischon (Sonntag) 26. Elul ^— 21. VIII^Z kam bey die Handt, thaten wir nichts anders, denn schreien und weinen.