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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 3 · p. Seite 348

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 3
Article
Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
Date
1890-01-01
Page
Seite 348 (sequence 30)
Language
German
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348 Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. welcher noch immer als allein rechtmäßige Obrigkeit anzusehen sei; der Kaiser sei überzeugt, daß viele ehrbare und friedliebende Bürger an solchem hochärgerlichen Unwesen unschuldig wären und nur aus Furcht vor dem herr< schenden Terrorismus nicht wagten, offen ihre Meinung kund zu thun. Damit nun der Unschuldige nicht mit dem Schuldigen bestraft würde, so befehle er jedermann aus der Gemeinde, vom höchsten bis zum niedrigsten Stande, sich offenkundig von den Leitern des Aufstandes und ihrem Anhang loszusagen und dies 14 Tage nach Bekanntmachung des Mandates schriftlich mit Nennung des Namens den Commissarien anzuzeigen. Im Fall des ferneren Ungehorsams drohte der Kaiser mit der Reichsacht, dem Verluste aller Rechte und Privilegien, Verm'ögensconsiscation u. s. w., während er den gehorsamen Bürgern, dem alten Rathe und den Juden seinen nnd des heiligen Römischen Reiches Schutz zusagte. Dieses Mandat sollte die tiefstgreifenden Folgen haben. Der besonnenere Theil der Bürgerschaft, so fast alle Gesellschaften begrüßten es mit Freude. Sie waren des nunmehr über zwei Jahre währenden Zwistes gründlich satt, zumal ja die Wünsche der Bürgerschaft Gehör gefunden hatten. Sie und der Rest des Rathes, der sich seit einiger Zeit ermannte und sich dem Einfluß Fettmilchs und Weitz' zu entziehen suchte^), gewannen wieder neuen Muth und erklärten schriftlich den Commissarien, sich dem Kaiserlichen Erlaß unterwerfen, oder wie man sich ausdrückte, „pariren" zu wollen. Doch die Zünfte blieben Fettmilch treu; er hatte ihnen vorgespiegelt, daß das Mandat untergeschoben sei und von den Commissarien herrühre. Auch die vom Ausschuß an den Kaiserlichen Hof gesandten Abgeordneten schrieben nach Hause, daß der Kaiser der Sache der Bürgerschaft zugethan sei 2); bezüglich der Juden könne man sofort zur Ruhe kommen, wenn man ihm 20—40000 Gulden verspräche»). Nach Ablauf der festgesetzten Frist erschienen die Subdelegirten wieder in Frankfurt; sie forderten am 20. August von den Zunftmeistern eine Erklärung, ob sie „pariren" wollten oder nicht. Diese sagten aber nur bedingungsweise ihre Unterwerfung zu; sie erhoben eine Menge von Einwänden gegen das Kaiserliche Mandat und zogen die Discussion derart hin, daß die Subdelegirten den Eindruck gewannen, daß sie im Ungehorsam gegen den Kaiser beharren wollten. 2) Weshalb ihn auch Fettmilch beschuldigte „daß er das Regiment nicht richtig führe". (Diarium ki8torieum S. 252.) 2) Diarium Ki8tor!eum S. 257 und 259. y -ttais. Com. Bd. 54 vom 16. VII.

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