Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 347 (sequence 29)
- Language
- German
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Kracauer: Die Juden Frankfurts im FettmLlch'schen Ausstand 1612—1618. Z47 Daß unter solchen Verhältnissen der vollständig eingeschüchterte, jetzt nur noch aus 18 Mitgliedern bestehende Rath beschloß, die fortwährenden Gesuche der Baumeister um Erneuerung der Stättigkeit aä aeta zu legen, wird man begreiflich finden^). Noch einen letzten Versuch machten jetzt die Kaiserlichen Commissarien, die bethörte Menge in die Bahnen der Mäßigung zurückzulenken. Sie beschieden am 26. Mai Abgesandte des Rathes und der Bürgerschaft zu sich nach dem benachbarten Höchst; letztere ward durch Fettmilch vertreten, der sich hierbei als gewandter und schlagfertiger Redner zeigte. Wie eindringlich aber auch die Commissarien, welche die Verhandlungen selbst leiteten, zur Eintracht mahnten, ihre Forderung, daß vor allem andern erst der alte Rath wieder eingesetzt werden müßte, stieß auf den hartnäckigsten Widerstand Fettmilchs, und somit verlief dieser Tag ohne jedes Ergebnis). Nun gaben die Commissarien die Hoffnung auf eine friedliche Lösung der Wirren völlig auf und überließen die weitere Entscheidung dem Kaiser, dem sie bereits am 11. Mai dringend gerathen hatten, die Rädelsführer, besonders Fettmilch, Sauer, Gerngroß, an seinen Hof zu citiren und daselbst aufs härteste zu bestrafen 3). Mathias hatte seit geraumer Zeit die Dinge in Frankfurt ruhig ihren Lauf nehmen lassen. Sein räthselhaftes Stillschweigen hielten viele für die unheimliche Ruhe vor dem Gewitter. Fettmilch befürchtete einen plötzlichen Ueberfall. Er traf daher militärische Vorsichtsmaßregeln, ließ die Thore und Wälle scharf bewachen, als ob der Feind vor den Mauern stände. Endlich am 26. Juli überbrachte ein Herold ein kaiserliches Mandat an die Zünfte und die Bürgerschaft^). Dieses verurtheilte in schärfster Weise die unverantwortliche, freventliche Gewaltthat gegen den alten Rath, versprechen wir vns solches Gebots halben gegen den Rhat, die Juden schadtlos zu halten, und soll ihn den Juden deßenhalben keine Anforgerung geschehen; haben sich auch etliche Zunfftmeister im nahmen und von wegen deren andere Zunfften underschrieben wie volgt: (Im Namen der Löher, Schuhmacher, Bäcker, Kürschner, Kutscher, Weingärtner in Sachsenhausen, Schmiede, Sackträ'ger, Maurer und Steinmetzen und der Greifensteiner Gesellschaft). — Die Juden behaupteten später, daß ihnen der Ausschuß dafür seinen Schutz zugesagt habe. 2) Brgm. 19. und 24. V. und 9. VI. Zuerst wurden die Juden bedeutet, ihr Gesuch schriftlich einzubringen (s. die Verhandlungen hierüber lom. II ^et. 60). 2) Das Nähere über die Verhandlungen s. Diarium ni8torieum S. 241—246. 3) Kais. Com. lom. 15. Der Kaiser erklärte sich damit einverstanden. Fettmilch sollte verhaftet und außerhalb Frankfurts verwahrt werden. Bezüglich Sauers und Gerngroß' überließ er alles den Commissarien. 4) Diarium distorieum S. 253—256.