Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 346 (sequence 28)
- Language
- German
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346 Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. Rathspersonen, die katholische Geistlichkeit sowie die Judenschast so lange in ihren und des Kaisers Schutz nahmen, bis der alte Rath wieder eingesetzt sei und seine obrigkeitlichen Pflichten wieder aufnehmen könne Zwar bemühten sich die Zünfte überall zu verbreiten, daß nunmehr die völligste Eintracht und Ruhe unter der Bürgerschaft herrsche und diese jedermann, Christen oder Juden, zu schützen und zu schirmen gedenke aber die Agenten des Landgrafen von Hessen entwarfen in ihren Berichten ein ganz anderes Bild von den Zuständen in der Stadt, „die so schwierig seien, daß man niemanden, besonders keinen Wohlhabenden, seines Leibes, Lebens und Gutes sicher sprechen kann" ^). Am meisten gefährdet hielten sie die Lage der Juden; „denn Kantor und andere lassen sich jetzt vernehmen, mit den Junkern sei der Anfang gemacht worden; wenn dasselbe zu Werk gebracht sei, sollten alle Juden zum Thore hinaus" Diese erkannten wohl die Unsicherheit ihrer Lage und suchten zunächst ihre Habe aus der Stadt in Sicherheit zu bringen. Aber die an den Thoren der Judengasse aufgestellte Wache erhielt den Befehl, nichts von dem Eigenthum der Juden aus der Stadt zu lassen^); das von ihnen bereits auf die Mainschiffe Geflüchtete ward nicht den Eigenthümern zurückgegeben, sondern auf „die Schmiedtftube", den Versammlungsort des Ausschusses, gebracht 6). Ein weiterer Gewaltakt war, daß dieser von ihnen am 18. Mai unter allerlei Drohungen 1000 Gulden Schutzgelder erpreßte^). -) Kais. Com. lom. 18; Diarium niLtorleum S. 239—240. 2) Brgm. 1614. 16. VI. 3) Kais. Com. Bd. 18 und 21 im Mai. ^) 1. e. vom 18. Mai. ') Brgm. 1614. 19. V. 5) Der Rabbiner Jesaja Horovitz Levita hatte sein Silberzeug und seine Bücher in Fässer verpackt. Als er sie herausschaffen wollte, wurden sie angehalten und aus die Schmiedtftube gebracht. Auf Antrag der Geistlichkeit wurden die Bücher dem Professor Helvicus in Gießen übersandt, der sie auf christenfeindliche Stellen untersuchen sollte (s. Brgm. 1614 7. und 30. VI. Rathschlagungsprotokoll 1614 S. 176/7). -) S. Kais. Com. Bd. 18. Die Quittung hierüber lautet (Brgun. Bd. 17 Nr. 245): Uff heut, dato 614t. Jahr den 18. Tag May haben wir Zunfften und Burgerschaft beeder Statt Franckfurth vnnd Sachsenhaußen bei Mosche zum Korb, Schlamm zum weißen Schilt, beide Bawmeister vffgenommen alß nemblich Ein Tausend Gulden ihres vergangenes Jahrs Schutzgeltts, die wir Zunfften und Burgerschafft in deren Bürgerschaft Unkosten zu brauchen Pflegen, doch mit deren Kondition, wenn solches Gut wie oben gemelt, von einem Ehrbaren Rhat, die befuegt dazu sein, als zu der Statt Nutzen oder aerari vonnöten were, daß solches wiederumb vonn der ehrliebenden Bürgerschafft und Zunfften wiederumb erlegt werden soll; auch