Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 345 (sequence 27)
- Language
- German
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Kracauer: Die Juden Frankfurts im FetLmilch'schen Aufstand 1612 -1618. Z45 Rechenschaftsbericht über die Verwaltung der öffentlichen Gelder von feiten des Rathes abzustatten. Alle Bemühungen der reichsstädtischen Gesandten, auf die Zünfte einzuwirken, scheiterten. Die Zunftmeister versicherten sie, „die Menge sei dermaßen erhitzt und erbittert, daß sie ihnen nicht mehr folgen wolle" t). Die heftigen Drohungen, welche Fettmilch gegen die Gesandten ausstieß 2), machten diese um ihre persönliche Sicherheit besorgt, und so verließen sie eiligst die Stadt. Mit ihnen war die letzte Stütze, welche die friedliebende Partei noch gehabt hatte, geschwunden. Die Bande des Gehorsams lösten sich jetzt gänzlich; die Bürgerschaft befand sich, unbekümmert um den in Aussicht stehenden Jnquisitionsproceß, in offener Auflehnung gegen den Rath; die Besonneneren wurden durch Drohungen so eingeschüchtert, daß sie sich keiner Gewaltthat zu widersetzen wagten^). Fettmilchs und Weitz' Ziel war zunächst darauf gerichtet, den alten Rath vollständig zu beseitigen, ihn durch ihre Anhänger zu ersetzen und durch sie die Stadt zu regieren^). Am 5. Mai fiel die aufgestachelte Menge über die alten Rathsmitglieder her und sperrte sie drei Tage lang im Römer ein. Zwei Tage vorher hatten sie sich bereits an den Neunern und den Siebenern vergriffen. Die Thore der Stadt blieben inzwischen geschlossen, Niemand durste hinaus oder herein ohne einen besonderen Paß von Fettmilch ^). Den Subdelegirten, welche gerade um diesen Zeitpunkt in Frankfurt eintrafen und den Ausschuß vor sich luden, sagte dieser rund heraus 6), die Bürger hätten für diesmal nichts mit ihnen zu thun und kämen deshalb nicht, sie wollten erst mit dem alten Rath ihre Rechnung abmachen. Am 9. Mai erklärten die eingesperrten Rathsmitglieder, die, in Ungewißheit über ihr Schicksal gelassen, das Schlimmste von der tobenden Menge erwarteten, auf ihre Rathssitze verzichten zu wollen^). Daraufhin gab man ihnen die Freiheit wieder. Auf die Kunde von dieser Gewaltthat ließen die Commissarien in der Stadt ein „Friedensmandat" anschlagen, in welchem sie die entlassenen!) Diarium diswrieum S. 209. 2) 1. c. S. 214. 2) 1. e. S. 200. ^) Weitz' eeterum censso war jetzt: „es werde nicht eher gut thun, als bis der alte Rath gestürzt werde". °) Diarium Ki8torieuin S. 221. 6) 1. c. 229—232. y 1. c. 223.