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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 3 · p. Seite 344

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 3
Article
Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
Date
1890-01-01
Page
Seite 344 (sequence 26)
Language
German
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344 Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Ausstand 1612—1618. weißen Schild" bemerkte sogar, man wisse nicht, ob der Rath ihnen gegen die Menge nicht rathen wolle oder könne. Andere erklärten offen, die Frankfurter Judenschaft sei in ihren Berichten an den Kaiser niemals von der Wahrheit abgewichen, noch habe sie die Obrigkeit verleumdet. So hatte der Rath wenig Grund, mit dem Ergebniß der Verhöre zufrieden zu sein. In seiner Verlegenheit begnügte er sich, den Vernommenen bloß zu Gemüthe zu führen „er empfände wohl den Despect, so sie ihm in Anlaufung der kaiserlichen Majestät und seiner Commissarien erweisen; er müsse daher auch auf Mittel und Wege sinnen, daß er, falls sie solchen Unfug zu continuiren unterstehen u. f. w. würden, er bei seinem obrigkeitlichen Amt und dessen Ausübung ruhig verbleiben möge". Die Protokolle selbst hat er wohl schwerlich dem Kaiser zugeschickt. Kehren wir jetzt zu dem Bürgerstreit zurück und sehen wir, wie weit inzwischen das Friedenswerk gediehen war. Ende März hatten die reichsstädtischen Gesandten im Verein mit einer aus 15 Bürgern bestehenden Deputation die noch unerledigt gebliebenen Punkte des Bürgervertrages entschieden bis auf die Judenfrage. Dieser war man im Artikel 14 mit der inhaltlosen Phrase aus dem Wege gegangen, die Bürgerschaft solle darauf vertrauen, „wofern diese Vergleichshandlung ihr gewünschtes Ende erlangt haben wird, daß ihr diesfalls soviel Satisfaction und Genüge geleistet werden soll, daß sie künftiger daher rührender Beschwerden, so viel immer möglich, geübrigt sein werde" 2). Am 27. März wurden die Gesellschaften und Zünfte aufgefordert, den Ausgleichsvertrag zu bestätigen. Dagegen stemmten sich mit aller Macht die Häupter der Bewegung. Sie waren nicht wenig entrüstet darüber, daß die Judenfrage noch immer in der Schwebe gelassen wurde. Bisher hatten sie noch nicht ihre Rechnung gefunden, und jetzt fürchteten sie, beim eintretenden Frieden die hervorragende und Gewinn bringende Rolle, welche sie bis dahin gespielt hatten, mit dem Privatleben vertauschen zu müssen und der Rache ihrer Gegner ausgesetzt zu sein. Daher strebten sie mit dem Aufwand aller Kräfte, das Friedenswerk zum Scheitern zu bringen, um in der darauf folgenden Zerrüttung wieder die Leitung der bethörten Menge zu übernehmen. Auf Fettmilchs Anstiften 4) lehnten 26 der Zünfte und auch einige Gesellschaften den Vertrag unter dem Vorwande ab, erst sei von den Neunern ein genügender!) Brgun. XI, 72 am Ende. 2) viariuiu kistoricum S. 197. 5) I. c. S. 200. 4) 1. c. S. 200—205.

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