Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 343 (sequence 25)
- Language
- German
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Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'scheu Ausstand 1612—1618. 343 Schreiben klagt der Rath über die Aufsässigkeit der Juden, welche durch fortwährende Appellationen an den Kaiser das Verderben der Stadt herbeizuführen suchten. Der Inhalt der Broschüre sei ganz unverfänglich und behandle ein allgemein interessirendes Thema, die Rechte einer christlichen Obrigkeit über ihre Juden. Johann Sauer führte übrigens selbst die Vertheidigung seiner Sache vor den Commissarien. Er habe nur die von Martin Luther 1543 zu Wittenberg verfaßte Schrift „Von den Juden und ihren Lügen" wieder neu aufgelegt. Sei es schon so weit gekommen, daß man gegen die Juden überhaupt nichts mehr schreiben dürfe, so hätten sie es ja besser, als die Christen, deren einzelne Stände, wie die Aerzte, Philosophen, Staatsmänner, Juristen fortwährend in Schriften angegriffen würden. Dabei entrollt er ein schaudererregendes Bild von der Verworfenheit der Juden; er wiederholt auch die alte Verläumdung, daß sie dem Türkischen Kaiser zur Austilgung des Römischen Reiches und der ganzen Christenheit zwanzig Galeeren versprochen und behufs Aufbringung der dafür nöthigen Summen während der Herbstmesse des Jahres 1603 eine allgemeine Versammlung in Frankfurt abgehalten hätten^). Der Rath, jetzt nur noch ein willenloses Werkzeug in den Händen der radicalen Partei, hatte dem Kaiser und den Commissarien, wie wir wissen, stets erklärt, daß die Anklagen der Juden verleumderische seien; den dafür noch schuldig gebliebenen Beweis glaubte er am einfachsten durch folgendes Mittel beizubringen. Er beauftragte einen Notar, die Baumeister und auch die übrigen Borsteher der Juden vorzuladen und sie darüber zu vernehmen, ob sie eine Beschwerdeschrift gegen Rath und Bürgerschaft befürwortet hätten und was sie diesen vorzuwerfen wüßten 3). Das so erlangte Protocoll gedachte man dem Kaiser einzusenden, damit er die Grundlosigkeit ihrer Klagen einsähe. Der Rath hoffte nämlich, daß jeder der Vorgeladenen, durch die Einzelverhöre eingeschüchtert, für seine Person die Betheiligung an den Anklageschriften in Abrede stellen und erklären würde, überhaupt keinen Grund zur Beschwerde zu haben. Doch diese Berechnung zeigte sich als irrig. Alle die Unbilden, welche die Juden seit nunmehr zwei Jahren zu erdulden hatten, das Eindringen in ihre Gasse, die thätlichen Mißhandlungen, die Drohungen Fettmilchs, die Ausweisungen u. s. w. kamen jetzt zur Sprache. Schlamm „zum ') 1. c. 66 s. Brgm. 1614 9. IV. -) 1. c. II, 67. -) Brgun. XI, 72: l'om. II ^ct. Nr. 68; Brg. 1614 20. und 22. III.