Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 338 (sequence 20)
- Language
- German
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338 Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. der Rath mit Zuziehung der Neuner und der Siebener bezüglich der Anzahl der Juden eine gewisse Ordnung machen, dieselbe den Kaiserlichen Commissarien zur Revision vorlegen und sie alsdann dem Kaiser zur Bestätigung überschicken solle. Der Zinsfuß ward bei Schulden, bei welchen genügende Sicherheit geboten war, zu 8"/o, auf bloße Handschristen zu 10 festgesetzt. Zum Schluß erklärte der Kaiser demjenigen, welcher die Bürgerschaft von neuem gegen die Obrigkeit aufreizen und Unruhen anstiften würde, sämmtlicher bürgerlichen Freiheiten für verlustig, dazu ihm mit Leib und Gut verfallen ^). Zugleich kündigten die Subdelegirten in seinem Namen eine Untersuchung gegen alle diejenigen an, welche im verflossenen Jahre dem Bürgervertrage zuwider gehandelt hatten. Sie thaten auch alsbald die vorbereitenden Schritte. Noch am selben Tage verboten sie den Zünften und Gesellschaften, das Gebiet der Stadt zu verlassen, „damit man, wo von Nöthen, ihrer fähig werden könnte" Von den Advocaten, welche dem Ausschuß gedient hatten, wie Weitz, Brenner, Palthenius forderten sie sämmtliche Protokolle, ebenso auch vom Rathe, und luden einzelne Bürger zum Verhöre vor. Die kaiserliche Botschaft versetzte die Bürgerschaft in die größte Bestürzung. Die Häupter der Bewegung, besonders Fettmilch, wurden auf einmal ganz kleinlaut. Letzterer zog seinen „Schadlosbrief" hervor und fragte die versammelten Sachsenhäuser, ob er nicht in ihrer Bollmacht gehandelt habe und sie ihm jetzt beistehen wollten, woraus sie aber erklärten, „sie verständen die Sache nicht; wäre etwas Jhro Majestät zuwider geschehen, so ließen sie ihre Vorgänger solches verantworten" Auf alle mögliche Weise suchte nun die radicale Partei den Rath zu veranlassen, gegen die bevorstehende Untersuchung zu protestiren. Kantor und Geiß, Fettmilchs getreue Anhänger, drohten für diesen Fall gradezu mit einem allgemeinen Blutbade ^). Aber auch der Rath wollte von der Inquisition nichts wissen. Sie enthielt eine directe Verletzung des alten Privilegs, daß Frankfurter Bürger nur vom einheimischen Gerichte verurtheilt werden durften. Wenn Mathias dieses so wichtige Privileg nicht beachtete, welches war dann noch sicher? In dem Widerstande gegen die Untersuchung begegneten sich also Rath und Ausschuß. So kam es zu Verhandlungen!) VLarüun lüstorlemn S. 179. 2) 1. c. i) OLarinm kistorieuiu S. 182. i) Blgm. 1614 13. I.