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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 3 · p. Seite 336

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 3
Article
Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
Date
1890-01-01
Page
Seite 336 (sequence 18)
Language
German
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336 Kracäuer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. Wagner) als Vertreter der Bürgerschaft in Speier gegen den Sch'öffenspruch zu appelliren. Zur Führung des Processes begab er sich selbst dorthin. Der Ausschuß ließ sich weder durch die Mahnungen des Kaisers, noch der Commissarien ^) beirren, und so zog sich der Proceß bis ins Jahr 1615 hin, ohne daß die Juden zu dem Ihrigen kamen. Denn der Kammergerichtspräsident Philipp Christels Bischof von Speyer ging auf des Kaisers Wunsch, die Appellation des Ausschusses zurückzuweisen, „da der Verschuldeten Jntent einzig dahin gerichtet sei, die Sachen so weitläufig zu machen, daß Schuldner und Schulden bei Verlängerung des rechtlichen Entscheides darüber gänzlich absterben und verderben mögen" 2), nicht ein. Die natürliche Folge davon war, daß die Judenschaft immer mehr verarmte und weder die Schätzung noch den Hauszins zahlen konnte^). Dazu drängte sie noch ungestüm die Schuldenkommission, daß sie ihre christlichen Gläubiger endlich befriedigten. Da erklärten die Juden dem Rathe, sie wollten allen ihren Verpflichtungen nachkommen, wenn er sein obrigkeitliches Ansehen gebrauchen und ihnen zur Erlangung ihrer Ausstände behilflich sein wolle ^). Dies wagte er aber aus Furcht vor dem Ausschuß nicht; er sandte ihr Gesuch an einige Universitäten und an das Kammergericht zur Begutachtung und gewährte ihnen für die Hälfte der Schatzungssteuer kurzen Ausstand 5). So schloß den Juden mit trüben Aussichten für die Zukunft das Jahr 1613. Sowohl der Schutz der Commissarien als des Kaisers hatte sich als durchaus unzureichend für sie erwiesen, die von ihnen geübte Langmuth nur den Trotz der radicalen Partei gesteigert. Letztere hatte Fettmilch, als er Spuren der Entmuthigung zeigte und vom Direktorium zurücktreten t) S. Brgm. 28. X, 9. 11. XI, 30. XII, 15. II 1614. Ueber den Proceß Bernoullis und Genossen gegen den 8procentigen Zinsfuß s. lom. II ^et. 50a, 50 d, 51, 54, Bd. III, 3; serner handelt darüber ein Actenfascikel: „Bernouilli gegen die Iudenschast in Frankfurt a. M. 1613—1615" (Notenzeichen: aä Untergew. 86. III). Ein zweites FaScikel, das sich wie das erste bis vor kurzem im Wiesbadner Staatsarchiv befand, enthält die Verteidigung der jüdischen Baumeister gegen die vom Kammergerichtsboten von Speier erhobene Anklage, die an der Synagoge angehestete Vorladung des Gerichtes herabgerissen zu haben. S. auch Brgm. 12. X. 1613. Kais. Com. Bd. 11 vom 6. XI. 2) Diarium kistorieum S. 141. 4) Brgm. 12. VIII, low. II ^.et. 40. 5) Weitz ließ sich dasür „eine Verehrung" von den Juden geben. Kais. Com. Bd. 70V,.

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