Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 333 (sequence 15)
- Language
- German
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Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Ausstand 1612—1618. ZZZ Ferner sind nach ihm alle die kaiserlichen Privilegien, welche einen höheren Zinsfuß als 5"/o gestatten, ungiltig, da sie im Widerspruche mit der christlichen Ordnung, dem geistlichen Rechte und den Rechtsconstitutionen ständen. Wie könnten übrigens die Juden als Leibeigene bessere Freiheiten haben als ihre Herren, also mehr Zinsen als diese nehmen dürfen? Es sei ein Fehler von feiten der Commissarien gewesen, ihnen 8^ zu bewilligen; dadurch seien die Juden nur noch in der Ansicht bestärkt worden, daß sie keine Knechte der Stadt wären. Mit Unrecht beriefen sich übrigens der Kaiser, die Commissarien sowie die Juden fortwährend auf den Bürgervertrag; dieser sei zwischen dem Rath und den Bürgern allein aufgerichtet worden, gehe also die Juden gar nichts an und verpflichte den Rath nur, sie nach dem gemeinen Rechte zu behandeln. Auch sei der Vertrag ja bisher weder von ihnen noch vom Kaiser anerkannt worden Wie schäumten aber die Führer des Ausschusses vor Ingrimm, als sie den Inhalt des Rechtfertigungsschreibens des Rathes an den Kaiser erfuhren!Sein zahmer und unterwürfiger Ton verdroß Fettmilch in hohem Grade. In den maßlosesten Ausdrücken warf er dem Rathe vor^), er habe dem Kaiser gegenüber die Privilegien der Stadt nicht in gebührender Weise vertreten und dadurch seine Pflicht als Obrigkeit gröblich verletzt. Die Bürgerschaft hoffe, er werde von jetzt ab besser seiner Pflicht eingedenk sein und unverzüglich eine Deputation „treuherziger Rathsleute" an den Hof senden, um den lügenhaften Berichten der Juden entgegenzutreten und die bedrohten Freiheiten der Stadt zu vertheidigen. Man werde schon diejenigen Rathsleute, welche sich lässig gezeigt hätten, zur Verantwortung ziehen. So hatte auch Weitz mehr als einmal in den Rathssitzungen den gegen ihn Stimmenden gedroht, „wenn sie den Juden beistehen und der Bürgerschaft abfällig werden wollten, so würde er es an Ort nnd Enden anzeigen". ') Das Gesuch des Ausschusses gab der Rath den Advokaten Rasor nnd Keller zur Begutachtung. Ersterer ist für, letzterer entschieden gegen die Vertreibung. Der Rath solle wohl bedenken, bemerkt Keller, daß die Stadt politisch jetzt völlig isoliert dastände. In die Union sei sie bis jetzt noch nicht eingetreten. Hessen und Mainz seien auch von ihr offendirt worden, sie habe demnach keinen Reichsstand, der sich für sie beim Kaiser verwenden würde. Auch dürfe man die Inden nicht unerhört verdammen u. j. w. Crom. II ^et. Nr. 39). 2) Erst gegen Mitte September wurde es dem Kaiser übersandt. S. I'oin. II ^et. 44 und Brgm. 16. IX. low. II 4et. 46.