Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 331 (sequence 13)
- Language
- German
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Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Ausstand 1612—1618. ZZ1 mando von 3 Reitern und 40 Soldaten zum Schutze der Juden in diese Dörfer legen mußte ^). Die Commissiarien hielten es nunmehr für geboten, abermals ihre Räthe nach Frankfurt zu schicken, damit vielleicht deren persönliche Vorstellungen die Menge von der abschüssigen Bahn zurückbrächten. Gleich nach ihrer Ankunft am 23. Juli sprachen sowohl Abgesandte des Rathes als auch des Ausschusses bei ihnen vor^). Beiden Theilen hielten die Abgesandten den Bruch des beschworenen Bürgervertrages eindringlich vor. Im übrigen verwiesen sie auf die Schreiben des Kaisers, von denen sie das eine dem Rathe, das andere dem Ausschuß übergaben. In dem ersteren ^) warf Mathias dem Rath Schlaffheit und zu große Nachsicht vor, durch die der hochstrafmäßige Frevel und Muthwillen so weit gestiegen sei, daß man wider den klaren und lautern Inhalt des Bürgervertrages von den Juden, welche doch Kaiserliches Kammergut wären 4), bereits 60 vertrieben habe und auch noch die übrigen zu verjagen beabsichtige. Er befahl dem Rathe, „alle künftige Weiterung gegen Juden und Christen zu verhüten, die 60 Ausgewiesenen ohne Entgelt wieder aufzunehmen, bis zur Bestätigung des Bürgervertrages keine Neuerungen zu machen" und sich in allen schwierigen Fragen an die Commissiarien zu ballen. In einer viel schärferen Tonart wendet sich Mathias an die Zünfte und die Bürgerschaft^). Er nennt sie ungezäumt und muthwillig, rügt ihre Vermessenheit und Unbotmäßigkeit gegen die Obrigkeit 6); ihre unverantwortliche Eigenthätigkeit im Verhalten gegen die Juden und spricht die Erwartung aus, daß sie von jetzt an die gutherzige und eifrige Bemühung der Commissiarien mit Dankbarkeit und schuldiger Ehrerbietung anerkennen, dem Rathe den schuldigen Gehorsam leisten und der Wiedereinführung der Juden bei Vermeidung schwerer Strafe nichts in den Weg legen würden. Diarium nistorieum S. 236. y 1. e. 137. ^om. I. ^et. 31; Brgm. 23. VII. -) I^W. I. ^et. 32. ^) Er bestreitet somit der Stadt das ausschließliche Verfügungsrecht über die Juden. 5) Z. e. 32 d. — Das Schreiben ist ebenfalls wie das vorige datirt Linz, 12. III. 1613. 6) Am 29. Vl. hatte Landgraf Ludwig dem Kaiser über die Zünfte geschrieben: „Wir wissen wohl, wie schlecht des Rates Gebot von ihnen geachtet zu werden pflege, fürchten auch, daß das Uebel bei der Judenschaft allein nicht bleiben werde". Kais. Com. Bd. 10.