Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 330 (sequence 12)
- Language
- German
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330 Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. Die Borfälle in Frankfurt erregten bei dem Landgrafen den heftigsten Unwillen, den er auch in seinem Schreiben an den Rath unumwunden aussprach'). Einige Tage vorher hatte der Ausschuß 5 Deputirte nach Darmstadt zu seiner Rechtfertigung geschickt und durch sie dem Landgrafen das feierliche Versprechen gegeben, in der Judenangelegenheit bis zum Eintreffen der Kaiserlichen Resolution nichts weiter vornehmen zu wollen?). Und jetzt folgte eine judenfeindliche Maßregel nach der andern. Zunächst ward den Juden untersagt, ohne Wissen der Abrechnungscommission ihre Habe aus der Stadt zu bringend). Die Beschickung des Reichstages ward ihnen abermals verweigert"), ein um so verhängnißvollerer Beschluß, als der Ausschuß Abgesandte dahin schicken wollte, deren Instruction das Schlimmste defürchten ließ^). Sodann forderte der Rath Anfang Juli durch öffentlichen Anschlag die Bürger der Stadt und aller zu ihr gehörenden Ortschaften auf, etwaige Forderungen an die Juden zur rechten Zeit, bevor dieselben die Stadt verließen, geltend zu machen 6). Zugleich sollten auch letztere ohne jede Ausnahme ihre Forderungen an die Christen einreichen. Die Juden machten den Rath auf das Bedenkliche dieser Verfügung aufmerksam^). Mancher ehrliche Bürger würde sofort um seinen Kredit kommen, wenn man die Höhe seiner Schulden erführe; mancher, der sonst ehrlich bezahlt hätte, würde aus Unwillen darüber, daß die Juden seine Vermögenslage klar gelegt hätten, jede Bezahlung verweigern und sich sogar thätlich an ihnen vergreifen; sie baten deshalb, einen oder den anderen ihrer Schuldner verschweigen zu dürfen, ohne dadurch ihrer Forderungen verlustig zu gehen. Auf das Rechtsgutachten Rasers aber wurden sie abgewiesen. Die aufständische Bewegung blieb jetzt nicht allein auf die Stadt beschränkt, sondern verbreitete sich auch über die zu Frankfurt gehörenden Dörfer. Sie hatten ebenfalls ihre Ausschüsse — eine Karrikatur der städtischen. Die Bauern, besonders die von Sulzbach, glaubten, daß ihnen jetzt alles gegen die Juden erlaubt sei: sie fielen sie auf der offenen Landstraße an und mißhandelten sie. Es kam schließlich so weit, daß der Rath eim Com- ') Brgm. 6. VII. und lorQ. I. ^ct. 28. -) Kais. Com. Bd. 10. 3) viai-imn nistoricmn S. 135, Brgm. 22. VI. Daselbst ist auch angegeben, wie der Rath gegen die Ungehorsamen verfuhr. 4) Brgm. 24. IV und lom. I. ^et. 27 d. °) Näheres hierüber in der Correspoudenz der Stadt mit ihren Agenten in Regensburg s. Reichstagsacte des Jahres 1613. low. I ^et. 29 und Brgm. 8 VII. y 1. c. 13. VII.