Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 329 (sequence 11)
- Language
- German
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Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Ausstand 1612—1618. 329 den einzelnen Parteien oft sehr zeitraubend und mühselig. Die Commission war von vornherein bemüht, einen Vergleich herbeizuführen; sie und besonders Weitz scheuten dabei keinerlei Art von Pression auf die Juden scheiterte aber ihr Versuch, so verwiesen sie die Parteien an das Schöffengericht. Als Anwalt vieler Schuldner, besonders der Bauern in Enkheim und Preungesheim, traten Fettmilch, Sauer und Gerngroß auf. Für sie und Weitz war das Geschäft ein höchst einträgliches, da sie von Christen und Juden in gleicher Weise Geld annahmen unter dem Versprechen, ihrer Sache Vorschub zu leisten. In welcher Form sollte man nun das Geschehene den Kaiserlichen Commissarien mittheilen? Nach längerer Debatte einigte sich der Rath über die Abfassung des RechtfertigungsschreibensEr bemerkte darin, da die Commissarien mit der Ausführung des Artikels 32 bis jetzt gezögert hätten, so seien begreiflicherweise die Zünfte immer ungeduldiger und erbitterter geworden. Um nun einem gewaltsamen Ausbruch der Leidenschaften zuvorzukommen, sei er jetzt damit beschäftigt, dein größten Theil der Juden die Stättigkeit aufzukündigen. Von einer gänzlichen Vertreibung wollten die Zünfte einstweilen noch Abstand nehmen und 20—30 Familien den Aufenthalt bis auf weiteres gestatten, vorausgesetzt, daß man sie in guter Ordnung halten und ihrem Wucher steuern würde. Und nun weiß er zu berichten, welch gute Früchte bereits sein Vorgehen gegen die Juden getragen habe; die Bürgerschaft habe wieder neues Vertrauen zu ihm gesaßt u. s. w. u. s. w. Durch diese optimistische Darstellung hoffte der Rath den voraussichtlich nicht ausbleibenden Beschwerden der Juden bei den Commissarien die Spitze abzubrechen. In der That ließen es die Vertriebenen an Beschwerden nicht fehlen. „Wir haben nichts verbrochen, sondern alles geschieht nur aus dem gegen uns Juden gefaßten Groll und Neid und aus Trotz und Ungehorsam gegen den Kaiser", schrieben in ihrem Namen Mosche „zum Tannenbaum" und Lazarus „zum Affen" dem Landgrafen; einige derselben suchten auch um die Erlaubniß nach, sich auf Darmstädtischem Gebiet niederlassen zu dürfen*). ') S. ihre Beschwerdeschrift hierüber an den Landgrafen in den Kais. Com. Bd. 70'/- und 11. -) Brgm. 1613, 24. VI.?om. I. ^.et. 26 und 27 (a). Unsere Akten enthalten 2 fast gleichlautende Fassungen. -) Kais. Com. Bd. 10 vom 17. Juni 1873. 1. e.