Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 328 (sequence 10)
- Language
- German
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328 Kracauer: Die Juden Frankfurt« im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. kennen lernen, wobei wir allerdings nicht vergessen dürfen, daß sich aus ihren Kreisen vorzugsweise der alte Rath zusammensetzte. Die Gesellschaft spricht sich entschieden gegen die Vertreibung der Juden aus; nichts Erhebliches liege gegen sie vor, sie könnten keiner besonderen Missethat beschuldigt werden; ihre Privilegien, die letzten Erlasse des Kaisers und der Commissarien, sowie der Bürgervertrag schützten sie noch obendrein. Dagegen stellten sie eine etwaige Moderation dem Rath anHeim. Schon am nächsten Tag (den 17. Juni) nahm die Kommission den anderen Theil ihres Auftrages auf. Eine ungefähre Uebersicht über das Vermögen der einzelnen Juden hatte sie bereits theils durch die Stetigkeiten, theils durch die Schätzungsbücher. Auf Grund dieses Materials lud sie nun eine Reihe von Juden, und zwar die ärmsten zuerst, vor und befahl ihnen bei Leibesstrase und dem Verluste des zehnten Theiles ihrer Habe, ihr Vermögen genau anzugeben und sich mit ihren Schuldnern binnen 8 — 14 Tagen zu vergleichen, widrigenfalls ihre Forderungen für ungiltig erklärt würden'). Zur ärmsten Klasse zählten besonders viele Schulmeister, von denen manche nur ein Vermögen von 10 Gulden angaben; vergebens machten einige von ihnen geltend, daß bereits ihre Vorfahren in der Stadt ansässig gewesen seien. Nunmehr erfolgte die Moderation. Ungefähr 60 Juden^) erhielten den Befehl, aus dem Rechneiamt zu erscheinen, daselbst die Gelder, welche sie der Stadt an Abgaben, Strafen u. f. w. noch schuldeten, sowie das „Abzugsgeld" — 10^ ihres Vermögens — sofort baar zu erlegen und außerdem ihre christlichen Gläubiger vollständig zu befriedigen^). Alsdann wurden sie aus der Stadt gewiesen. Die Verhandlungen mit den übrigen Juden nahmen ihren ungestörten Fortgang und zogen sich bis Mitte August nächsten Jahres hin; ^) auch über ihnen schwebte ja früher oder später das Damoklesschwert der Vertreibung. Wie sich leicht denken läßt, waren diese Verhandlungen zwischen t) Die Protokolle hierüber sind enthalten in einem Fascikel: ^rotoeoll, ^as in anno 1614 (muß heißen 1613) ^sZen adsekaüunZ äer vherwevZ äer Mclen vnc! adreeknunZ mit äsu Christen, so ilmen seduläiZ Ze^eseu, vorxanZeQ (Unterg. 47). 2) Der Rath spricht allerdings von wenigen Personen. s) viarlura klLtorieura S. 135. 4) Die Protokolle hierüber im Fascikel (Unterg. 47): rrotocollum, na8 de^ Serien in ao. 1613 kür Ze^esenen ÄsMtationen in xo. (xuneto) adreckriunA ^trittiZer sekuläen 2^iscken juäen vnä ekri8teii xasZiret. S. auch Brgm. 1613 ^2. VII.