Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 327 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2259275-2259324-2259328-2264757--1743-2264786- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Kracaner: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. 327 Entfernung. Ihnen schlössen sich auch die Perlenhändler und Diamantschneider an, da sie die Concurrenz der Juden nicht mehr aushalten könnten. Die Buchdrucker bedankten sich durch ihren Sprecher Sauer für den Entschluß des Rathes, dem sicher Gottes Lohn nicht ausbleiben werde. Sie beantragten, nur zehn Judensamilien in der Stadt zu lassen, da 1417 nur zwei, 1439 aber nur 6 jüdische Familien in der Stadt gewesen seien. Doch sollte man dem Kaiser anzeigen, daß auch diese, falls er nicht binnen vier Wochen den Pfandschilling bezahle, baldigst vertrieben würden. Bei der gegenseitigen Abrechnung solle man als Zinsfuß 5"/y annehmen; die Zinsen, welche die Juden darüber hinaus genommen hätten, seien von der Schuld abzuziehen. Und obgleich man mit ihnen, als Leibeigenen der Stadt, nach Belieben umgehen dürfe, so wollten ihnen doch die Buchdrucker kein Haar krümmen, „da man mit der Sache behutsam umgehen müsse und die Juden ebenso gut wie sie Menschen wären". Noch härtere Maßnahmen schlugen die Schneider und die Fettkrämer, sowie die Hecker in Sachsenhausen vor. Diese Zünfte sind die eigentlichen Stützen Fettmilch's; in ihren Stuben bewegte er sich mit Vorliebe und übte unbedingten Einfluß auf sie aus. Daher erfolgte ihre Erklärung aus seinem Munde selbst: Nur 17 der vornehmsten Juden solle man hier lassen, diesen aber „dapfer aufschneiden". Er fügte sofort hinzu, was darunter zu verstehen sei: Sie sollen mit keiner Waare, von welcher Art sie auch sei, handeln, nicht mehr als 5^ nehmen, nicht Geld wechseln u. s. w. Alle Tage hätten je 2 von den 17 Juden bei Strafe etlicher Goldgulden eine christliche Predigt zu hören; ihre Synagogen müßten selbstverständlich geschlossen werden. Aber auch die 17 sollten nur für kurze Zeit in der Stadt geduldet werden. Die Sattler und die Seckler gingen darüber noch hinaus. Sie forderten bestimmte Angabe des Termins, wann auch die 17 ausgewiesen würden; inzwischen dürfe kein Christ mehr bei Verlust des Bürgerrechtes einem Juden in seinem Hause dienen; stelle einer ein derartiges Ansinnen an einen Christen, so solle er mit Hab und Gut der Stadt verfallen sein und sofort ausgewiesen werden. Von den Gesellschaften war die der Frauensteiner und der Krämer nur für eine Moderation; sie proteftirten von vornherein gegen jede Gewaltthat. Ganz anders lautete das Gutachten der ältesten Gesellschaft, der Limpurger. Dieses fällt um so schwerer in die Wagschale, als wir darin die Stimmung der vornehmsten und intelligentesten Kreise der Bürgerschaft