Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 322 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2259275-2259324-2259328-2264757--1738-2264781- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
322 Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 7612—1618. den Zinsfuß verringern wollen, sei aber dabei auf den Widerstand der sich auf ihre vermeintlichen -Privilegien berufenden Juden gestoßen. Deshalb habe er gleich beim Beginn des Bürgerzwistes die Entfernung der Juden als das allein richtige Grundremedium angesehen. Im Weiteren verbreitet sich die Schrift über die Gemeingefährlichkeit der Juden für christliche Staaten, über ihre betrügerische Geschäftspraxis u. s. w. u. s. w., wie wir dies bereits genugsam aus den Klageschristen des Ausschusses kennen. Und da die Frankfurter Juden in fortwährender Geschäftsverbindung mit auswärtigen Standespersonen ständen und deren Güter oft mit Arrest belegen ließen, so bereiteten sie dadurch der Ehre der Stadt viel Abbruch, Schimpf und Ungnade. Ausschlaggebend aber für den Rath sei, „daß die Juden die Hauptquelle alles widrigen Verdachtes, Unrathes und Beschuldigungen der Bürger unter einander seien". Die Zerrüttung könnte kein Ende finden, so lange sie noch in der Stadt weilten; deshalb willfahre er dem Gesuche des Ausschusses und beschließe, allerdings nach eingeholter Erlaubniß des Kaisers, die Entfernung der Juden. Er verzichte hierbei auf alle seine obrigkeitlichen Rechte über sie und behalte sich nur die Gelder vor, welche ihm noch die Juden an Strafen, Abgaben u. f. w. schuldeten. Das Schriftstück schließt mit der Erklärung, daß von jetzt ab keine Juden mehr als Beisassen oder Unterthanen aufgenommen noch ihnen die Stättigkeit prolongirt werden sollte. Eine Commission von 6 Mitgliedern, — theils Rathsmitglieder, Lheils Bürger — nebst den Siebenern') sollte inzwischen im geheimen berathen, wie man am besten die Juden aus der Stadt vertreiben könne. Dieses Schriftstück bedeutete nur einen halben Sieg für Weitz und Fettmilch, da es die Vertreibung von des Kaisers Einwilligung abhängig machte. Freilich war von vornherein kaum zu erwarten, daß die Juden sich ohne weiteres in ihr Schicksal ergeben würden. Der Rath hatte unter der Hand erfahren, daß sie eine Deputation zu dem auf dem Reichstag zu Regensburg anwesenden Kaiser senden wollten, damit dieser in kräftigerer Weise als bisher sür sie einträte. Um dieses zu verhüten, ergriff der Rath das einfachste Mittel: er verbot den Juden, zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt, den Besuch des Reichstages^). Run hatten aber die größeren jüdischen Gemeinden am Rhein beschlossen, den ersten 4) Sie waren eingesetzt worden zur Prüfung sämtlicher Privilegien. 2) Brgm. 1613 8. VI.