Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 321 (sequence 3)
- Language
- German
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Kracauer: Die Inden Frankfurts im Fettmilch'schen Ausstand 1612—1F18. Z21 samlich eingesehen und daraufhin diesen Vorschlag gemacht hätten. Da er aber für seine Person nicht in diese habe Einsicht nehmen können, so sei auch sein Votum nicht von Belang. Ganz anders lautete das Gutachten des Advocaten Gabriel Rasor, eines entschiedenen Anhängers der Bewegung. Er ist durchaus für die Entfernung der Juden; diese aber in des Kaisers Gewalt und Arbitrium zu setzen, halte er für unbillig und auch der Stadt nachtheilig; sie begebe sich dadurch ihres obrigkeitlichen Amtes zu Gunsten des Kaisers. Das der Stadt einst gegebene Privilegium, Juden halten zu dürfen, sei nicht so aufzufassen, daß sie diese wider Willen der Bürger behalten müßte, sonst hätte sie sich statt einer besonderen Freiheit die größte Last und Abhängigkeit von den Juden, das Feuer in dem eignen Schoß, die Schlange in dem Busen erkauft. Rasor bekennt zwar, von ihnen weder etwas Gutes, noch etwas Böses erlitten zu haben: ihr Bleiben oder ihr Weggehen sei ihm persönlich durchaus gleichgiltig; aber schon mit Rücksicht auf ihren bösen Ruf und aus politischen Gründen stimme er für ihre Entfernung. Denn der Rath werde doch schließlich wieder, trotz allen Sträubens, dem Ausschuß nachgeben müssen; es sei also räthlicher, selbst die Initiative zu ergreifen, als sich den Beschluß gewaltsam entreißen zu lassen. Wenn einmal die Leidenschaften des Pöbels entfesselt seien und er über die Juden herfiele, dann würde er bei ihnen nicht stehen bleiben, sondern sich in einem allgemeinen Aufstand gegen die besitzenden Klassen überhaupt wenden ^). Das Gutachten des dritten Advocaten, Weitz, ist uns nicht erhalten, doch die Stellen, welche Rasor daraus anführt, zeigen, daß es, wie auch nicht anders zu erwarten, ebenfalls in judenfeindlichem Sinne abgefaßt war. So wurde der Rath nur noch mehr in seinem Entschlüsse bestärkt. In einem umfangreichen Schriftstück, das seiner Wahrheitsliebe keine besondere Ehre macht, stellte er die Motive für die Vertreibung der Juden zusammen 2). Da die Schrift zum Theil Neues vorbringt, so wollen wir kurz bei ihr verweilen. Zuvörderst klagt der Rath, daß die Zahl der Juden sich gar zu sehr und über die in der Stättigkeit festgesetzte Anzahl ^) vermehrt habe; dadurch sei auch der Wucher und die Verschuldung der Bürger derart gestiegen, daß sie mit einem -Aufstande drohten, wenn man die Juden nicht aus Frankfurt verweise. Der Rath habe zwar in Voraussicht dessen ') Diese zwei Gutachten befinden sich unnumerirt und uneingeheftet in low. I ^er. -) I. e. 16 a. 2) Damit vergl. s. Ausführung auf S. 144. 21*