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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 311

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
[Ohne Titel] / L. G.
Date
1890-01-01
Page
Seite 311 (sequence 6)
Language
German
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Nachrichten. 311 Aus den „Erinnerungen aus dem Leben des General-Feldmarschalls Hermann von Boyen, aus s. Nachlaß im Auftrag der Familie herausgegeben von Friedrich Nippold, Leipzig, Hirzen 1889", mag folgende Stelle (2. Theil S. 93), auf die Alfred Stern mich hinweist, mitgetheilt werden: „Ein unter dem 11. März 1812 gegebenes Edict gab den biß dahin im Preußischen Staate unter mancherleh Druck lebenden Juden den größten Theil der bürgerlichen Rechte und wurde der Gegenstand eines augenblicklichen Lärmes, den ebenso christliches Vorurtheil als christlicher Handels-Neid erzeugte. Daß der Zweck des Gesetzes gerecht und also wahrhaft christlich war, bedarf wohl keines weiteren Beweises, es war indeß, da der Gesetzgeber auch die im Volke herrschenden Vorurtheile beachten soll, der Sprung vielleicht auf einmal zu groß, doch muß man dabey nicht vergessen, daß der Staat damahlen unaufhörlich Geld brauchte, und daß die Juden bei augenblicklicher Verlegenheit dies noch am ersten herbeyschaffen konnten: auf diesem Wege wenigstens hat in einer minder bedrängten Zeit Rothschild von behnahe allen christlichen Mächten Ritter- Orden und Baronieen erhalten". Der neueste Band von H. v. Treitschke's Deutsche Geschichte (Leipzig, 1889), welcher das Jahrzehnt von 1830—1840 behandelt, enthält in dem „Das junge Deutschland" überschriebenen Abschnitt (S. 407 bis 496) wiederum, namentlich S. 319—430, S. 434 ff., S. 440 ff. sehr gehässige Angriffe gegen Börne, Heine, Rahel, die längst widerlegte Anschauung, daß das „junge Deutschland" eine durchaus jüdische Bewegung sei. — Um aber zu zeigen, daß Treitschke's Ansichten nicht überall gebilligt werden, sei hier statt eigner Ausführungen, die man vielleicht parteiisch schelten könnte, eine Stelle aus der Beurtheilung des Werkes in der „Allg. Zeitz." (Beil. 27. Dec. 1889) mitgetheilt, einer Zeitung, der man besonders judenfreundliche Tendenzen nicht nachsagen kann: „Zum mindesten ist die Unterschiedslosigkeit der Berurtheilung unberechtigt, welche Treitschke auf die Repräsentanten des „französisch-jüdischen" Liberalismus in Deutschland häuft. Daß er den dichterischen Leistungen der Laube, Kühne und Gutzkow allen bleibenden Werth abspricht und daß er Börne's politische Weisheit nach anderem Maßstab beurtheilt, als z. B. Pfizer gethan, erscheint durchaus begreiflich. Aber auch wenn man in diesem Punkte wesentlich wie der Verfasser und dessen Vorgänger Julian Schmidt denkt, wird man mit allem Nachdruck die Meinung bestreiten müssen, daß der Mangel dessen, was heute „nationale Gesinnung" heißt, vor fünfzig Jahren mit

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