Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Mittheilungen aus Berliner Zeitungen, Zeitschriften und Broschüren (1741 - 1830)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 299 (sequence 11)
- Language
- German
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Miscellen. 299 Wolf Davidson in seiner wenig beachteten Schrift: „Ueber die bürgerliche Verbesserung der Juden", Berlin 1798, bei E. Felisch, VIII und 119 S., tritt dafür ein, daß man aufhören solle, die Juden als Zwittergeschöpfe zwischen Bürger und Fremdling zu betrachten. Er setzt auseinander, daß weder Religion noch Moral ein Hinderniß der bürgerlichen Verbesserung sei. Er befürwortet, daß die Juden Soldaten werden wie andere Unterthanen; der Sabbath dürfe nicht zum Vorwand für Nichterfüllung der Soldatenpflicht genommen werden (S. 20); ebensowenig hindere den jüdischen Bürger als Soldaten das Speiseverbot; ihre körperliche Stärke werde bei besserer Behandlung und Erziehung immer mehr genügen. Er vertheidigt die Moral der Juden: 1. Heiligkeit des Eides, 2. Sittlichkeit derselben. (Zusammenstellung nach Friedlaender's Actenstücken.) Er will nicht alle Fehler in Abrede stellen, z. B. den überhandnehmenden Luxus, obwohl er meint, daß dieser bei allen Bevölkerungsclassen im Steigen begriffen sei. S. 90 ff. stellt er alle Juden zusammen, die sich in Preußen auf irgend eine Art ausgezeichnet: Mendelssohn, Bloch, Herz, Friedlaender, L. Bendavid, S. Maimon, S. Ascher, Wessely, Euchel, Wolffson, Theodor, vr. Veit (die beiden letztern als Uebersetzer) in Berlin; serner die Aerzte: Hirsch in Königsberg i. Pr.; Warburg, Henschel, Pulvermacher, Zadig in Breslau; Herz in Prenzlau; S. 103—109 einzelne Mathematiker, Pädagogen, Sänger, bildende Künstler. Hervorzuheben ist Bucki, Lehrer des Polnischen, der als Jude bei allen „Königlichen Gymnasien" als Professor angestellt ward; Meier, der beim Cadettencorps Tanzunterricht ertheilte; Leonini, Sprachlehrer am Cadettencorps und Berlinischen Gymnasium; zwei Brüder Meyer, der eine als Bergmeister, der andere als Hütteninspector angestellt; endlich der Architect und königliche Condeucteur Sachs. Die Schrift „Für die Schinderknechte. Ein frommer Wunsch eines wahren Menschenfreundes für die gänzliche Aushebung der gegen sie vorhandenen Vorurtheile". Berlin bei I. W. Schmidt, 1803, 22 S. (vgl. m. Gesch. d. Juden in Berlin II, 312) soll offenbar zur Verspottung der Kosmann'schen Arbeit dienen (a. a. O. S. 303 ff., 310). Wüßte man dies nicht (der Verleger ist derselbe wie für Grattenauer; aus dem Umschlage ist Gr. 4. Auflage angekündigt), so würde man es aus den wenigen Seiten nicht entnehmen. Denn die Schrift plaidirt in scheinbarem Ernst dafür, das Schindergewerbe (Scharsrichter-