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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 271

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
Date
1890-01-01
Page
Seite 271 (sequence 71)
Language
German
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Schnapper-Arndts Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüd. Dinge. 271 lich verstattet war. Von dieser Liberalität Gebrauch zu machen, hatten unter andern die Direktoren des christlichen Liebhaberconzerts nie verabsäumt. Zu letzterem Conzerte aber wurden die Entrvebilljets verkauft. Nun schickte einmal ein jüdischer Conzertdirektor zu einem jener unbeschnittenen Musageten um sich für Geld eine Einlasskarte hohlen zu lassen; aber man gab ihm keins, weil — weil seine Grosmutter kein Schweinefleisch ißt. 3. Madame L. erste Sängerin der hiesigen Bühne ward eingeladen im jüdischen Dilettantenconzert zu singen, was sie auch zusagte^). Einen Tag aber vor dem Conzert meldete sie den Direktoren: sie könne ihr gegebenes Wort nicht halten; denn einige christliche Kaufleute besonders Herr G * * * hätten ihr sehr zugesetzt, sie möge sich doch ja nicht so sehr prostituiren in einem jüdischen Conzert zu singen. 4. Ein invalider Glücksritter Herr v.....h . . . hatte seiner Köchin die Anweisung gegeben, ehe sie aus den Markt ging um Eher und Butter einzukaufen, sich jedesmal das Geld dazu von einem nahmhaften jüdischen Banquier zu hohlen. Dieses geschah auch ein ganzes Jahr lang, bis die Summe zu einer beträchtlichen Höhe gestiegen war. Da nun aber weder Capital noch Zinsen abgetragen, so fing der Banquier an ernste Notizen zu machen. Er drohte mit Arrest. Der arme Glücksritter war in der größten Verlegenheit, bis ihn endlich ein glücklicher Einfall von seiner Angst befreyte. Er gab nehmlich seinem S'öhnchen, einem wohlgedrechselten allerliebsten Pürschen den Auftrag, sich nach der Tochter seines Gläubigers umzusehen, und ihr so lange die Cour zu machen, bis sie gerührt von einer solchen Anhänglichkeit ihren Einfluß dazu gebrauchte, des Vaters Strenge herabzustimmen. Das S'öhnchen hocherfreut, sprang flugS aus dem Bette, zog ein paar seidne Strümpfe an, und eilte weil es grade Samstag war, nach Bornheim zu, wo er seine Schöne anzutreffen hoffte. Als er sie nun im Saale ausfindig gemacht, fing er mit einer edlen Dreistigkeit an sie zu bestürmen, wo er auch gar bald reusirte. Denn die Tochter Israels der ein christlicher Liebhaber etwas neues und erwünschtes war, enthielt sich aller Sprödigkeit. Unfern aber der Scene stand lauschend der Liebhaber des Mädchens, dem die Eifersucht L'öwengesinnungen einflößte. Er wollte *)1808 war am Stadttheater Madame Lange als Primadonna engagirt. (Gef. Mittheilung des Hrn. Strohecker, z. Z. Mitgl. u. Secretär der sranks. Stadttheater.) Zeitschr. s. d. Gesch. d. Juden i. Deutscht IV. 18

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