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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 270

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
Date
1890-01-01
Page
Seite 270 (sequence 70)
Language
German
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270 Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüd. Dinge. zu ^unterrichten ^), in welcher 2) er mit seines Prinzipalen Handlungsbiicher stünde, ein gewisser L * grosmüthig genug ihm solches — zu verkaufen. Er ging aus den Ball. Kaum aber war er den Saal einige Mal auf- und abgegangen, als ein vielnasiges Sonntagskind im Champagnerglase witterte, es sey ein Jude gegenwärtig. „Es ist ein Jude hier" rief es aus. „Eine Uhr ist gestohlen" lärmte man aus der andern Seite. „Ein Jude hat eine Uhr gestohlen" schrie man nun im ganzen Saal. Die Wache wurde herbeigerufen, und zu ihrer Assistenz vereinigten sich flugs, naseweise Kaufmannsdiener, banqrotte Kaffewirthe und bedrunkne Transmönaner. Vorzüglich thätig bei dieser Exemtion war ein Kaufmann * r, der seit einem gewissen Vorfall, einen großen Widerwillen gegen Diebstahl und Einbruch bekommen hat. Der arme G " bestürzt, ausser sich selbst gebracht ward bewußtlos zum Saal herausgestoßen, und fand seine Besinnung erst zu Hauße wieder. Der Schmerz über die erlittene Beschimpfung zog ihm ein drehtägiges Fieber zu. Als er sich wieder erhohlt hatte, wollte er den Vorfall in die Zeitung rücken lassen, nicht um sich gegen die Beschuldigung des Diebstahls zu vertheidigen, sondern um zu sagen, daß ein solcher Vorwurf keiner Widerlegung würdig wäre. Die Censur aber hat mit Recht eine Nachricht unterdrückt, wodurch ein großer Theil der Frankfurter Bürgerschaft wäre compromottirt worden. Aber was war es denn in diesem Betragen was den Bürgern zum Vorwurf gereichen könnte? Auch die nüchternsten und verständigsten unter ihnen sagten: hier ist ein Bürg er - ball, wie kömmt ein Jude dazu?^) 2. Die Musikliebhaber unter den Juden hatten seit einigen Jahren ein Dilettantenconzert veranstaltet wozu jedem beliebigen die Entrve unentgelt- 2) Im Ms. verschrieben: „errichten". — 2) Fr.: „der". *) Am 18. April 1808 hatte im Schauspielhaus und der Reitbahn, die man durch einen bedeckten Gang mit einander verbunden, ein großes, vom bürgerlichen Osficiercorps arrangirtes Fest stattgefunden. Das Fest war bereits auf den 21. März geplant gewesen, doch hatte der Fürst erklärt als Geistlicher erst nach Ablauf der Fastenzeit an Lustbarkeiten Lheilnehmen zu können. Der Fürst erschien zum Feste um 8 Uhr des Abends .... „was besonders dieses Fest berühmt machte, war dieses, weilen es in der Messe war, wo die vielen anwesenden Fremden theils Antheil nahmen, theils die Anhänglichkeit und Ergebenheit Frankfurts Bürger an ihren geliebten Fürsten sahen und bewunderten; die Anzahl der Theilnehmer waren über 2000 Personen". (Diarium des Osficier Corps des löblichen Stadt Quartiers 1797 —1812, herausgeg. von vr. H. Grotefend; im Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst 3. Folge Bd. 1, 1888).

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