Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 267 (sequence 67)
- Language
- German
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Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig BLrne's über jüd. Dinge. 267 sind. Man sagt: die Juden werden sich aus eingefleischter Gewinnsucht nie freywillig vom Handel wegwenden; man muß sie also mit Gewalt aus diesem Kreise heraustreiben. Allein man hat doppelt Unrecht. Denn erstens sollte man ihnen doch erst neue Häußer bauen, ehe man ihre alten niederreißt. Zweitens ist es gar nicht Gewinnsucht allein was die Juden zum Handel beseelt. Denn wenn man sie beobachtet wird man weder Geitzige unter ihnen finden, die an der Kraft des Geldes sich ergötzen, noch Verschwender, die seiner Wirkung sich erfreuen. Und Geiz nebst Ueppigkeit sind doch die beiden Hauptmotive welche die Geldgierde hervorbringen. Aber es ist den Juden mehr um das Gewinnen als um den Gewinnst, mehr um das Betriegen als um den Vortheil des Betrugs zu thun. Denn ein Volk wie das jüdische, dem die Südlichkeit seines Ursprungs noch so rein beywohnt im Blute und im Gemüthe; ein Volk das mehr Phantasie als Verstand, mehr Witz als Beurtheilungskraft, und mehr Feuer als Ausdauer besitzt: ein solches Volk muß von seinem rastlosen Geiste immerfort zur Thätigkeit getrieben werden. Da ihm aber ein verjährtes Vorurtheil und eine ungesunde Politik, jeden andern Gegenstand seiner Thätigkeit entzieht, so muß er den Handel, als das einzige Mittel die Sehnsucht seines Geistes zu befriedigen, mit Freude und Liebe ergreifen. Da das im allgemeinen Gesagte auch für jedes einzelne gilt, so haben wir nicht n'öthig uns über das Detail der HZ 118—139 auszulassen»). 5ter Abschnitt. Von dem Betragen der Juden in Hinsicht der christlichen Einwohner und dieser gegen jene. Man muß lächlen und immer wieder lächlen, wenn man von diesem Abschnitt auch nur die Ueberschrift gelesen hat*»). Nicht die in ihren *) Siehe die Excurse des Herausgebers. **) Die sechs ersten Paragraphen dieses Abschnitts lauten: § 140: DaS Betragen der christlichen und jüdischen Einwohner gegen einander, soll liebereich, bescheiden, und wechselseitig hülfeleistend seyn. Kein Theil soll den andern seiner Religions- oder anderer Gebräuche wegen necken oder gar beschimpfen. Z 141: Kein Theil darf den andern an seinen Festtagen, oder bei Pflegung seiner Andacht stöhren. Alles unter schwerer Strafe. Z 142: Insbesondere sollen die Juden an den Sonn- und Fest-Tcigen der