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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 266

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
Date
1890-01-01
Page
Seite 266 (sequence 66)
Language
German
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266 Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig Bö'rne's über jiid. Dinge. man den Gehassten entzogen hat. Jndess schien jene Vorstellung nicht ohne Wirkung geblieben zu sehn. Denn ob zwar gegen das Gesuch der Juden nichts bestimmt wurde, so ward doch auch dafür nichts entschieden. Ganz anders bei einer ähnlichen Gelegenheit, verfuhr der große Mann der an der Spitze des französischen Volkes steht. Die christlichen Kaufleute einer der bedeutendsten französischen Handelsstädte wendeten sich an Napoleon und stellten ihm vor, daß die Juden ihre Waaren um ein beträchtliches wohlfeiler verkauften, und dadurch allen Handel der Christen untergrüben. Aber der Kaiser antwortete ihnen, daß er, weit entfernt die Juden in ihrer Handlung einschränken zu wollen, sich sehr freue thätige Bürger zu sehen, die durch ihre Speculation die Preise der Waaren für das Publikum heruntersetzten, und so durch ihre Industrie und Thätigkeit vielmehr allen Anspruch auf seinen Schutz und seine Unterstützung zu machen hätten. In dieser neuen Stättigkeitsordnung sind die Handelsbeschränkungen der Juden noch verstärkt worden. Wir wollen so gefällig sehn zuzugeben, daß der christliche Kaufmann wirklich darunter leiden würde, wenn man den Juden unumschränkte Handelsfreiheit gäbe; wäre dieß aber nicht sehr billig? Haben doch die Christen tausend Erwerbzweige die den Juden versagt sind, und womit sie sich leicht entschädigen können! Das schlimmste, oder für die Juden vielmehr das Beste bei der Sache ist, daß die Mittel, die man angewendet hat, die Handelsaristokratie der Juden zu zernichten, grade dazu geeignet sind die entgegengesetzte Wirkung hervorzubringen. Denn ihrem Erwerbe Hindernisse in den Weg legen, sie mit neuen Auflagen beschwehren, heißt das nicht ihren Handelswitz auf die Folter spannen der suchen wird durch Anstrengung auf dieser Seite zu gewinnen was er auf der andern verliehrt? Und wird man sich damit begnügen, wird man sich nicht auch die Schmerzen bezahlt und den Verlust zehnfach ersetzt machen wollen? Um den Handelsgeist der Juden zu schwächen hätte man ihnen grade die ausschweifendste Handelsfreiheiten geben müssen. Denn die Kraft ermattet bald, wo ihr Spielraum unendlich ist, da hingegen jede Schranke und jeder Gegendruck nur die Thätigkeit erhöht. Hätte man den Juden die anderseitigen Bürgerfreiheiten verstattet, so wären sie von selbst dem Handel nach und nach entzogen worden. Denn die Geistesthätigkeit ist ein Fluidum, das, sich selber überlassen, und ohne äussern Einfluß, sich nach allen Seiten zu gleichförmig ausbreitet. Der Strom aber ist da am tiefsten, wo sein Bett am schmälsten, und seine Ufer am höchsten

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