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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 264

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
Date
1890-01-01
Page
Seite 264 (sequence 64)
Language
German
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264 Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüd. Dinge. tragen brauchen; und diese könnten denn, selbst ohne gesetzwidrig zu handeln, den jüdischen Gesellen das Ausüben der Handwerke verbiethen. Alles was vom Handwerke und Ackerbau, als Mitteln die Juden zu civilisiren, gesagt worden, findet auch auf Fabriken und Manufakturen seine Anwendung. Letztere nehmlich würden das Band abgeben, die Juden zum Ackerbau zu leiten. Denn da es das Geschäft der Fabrikanten ist, die rohen Naturprodukte zu verarbeiten, so muß durch Fabriken die Einsicht von der Nützlichkeit des Landbau's gar bald geschaffen werden. Dieses eingedenk hätte man über die Freiheiten die man den Juden in jener Hinsicht verstattete, sich weiter ausbreiten sollen, als es in den KZ 116, 117 geschehen ist") Der übrige Theil dieses Abschnitts verordnet über den Handel. Der Geschichtsforscher der es zum Gegenstand seiner Untersuchung machte das Motiv zu erforschen, das von jeher den Haß der Christen gegen die Juden hervorgebracht hat, würde finden, daß jenes Motiv verschieden ist, je nach den Zeiten die er in Erwägung zieht. In frühern Jahrhunderten war es offenbar ein falscher Religionseifer der die Juden zu vernichten anrieth. Als hingegen nach Luther die Christen anfingen sich unter sich selbst zu bekriegen, und die Reformation endlich den Sieg behielt; da wurden die Judenverfolgungen seltner. Aber der Haß in den Herzen der Christen, ward um so stärker, je mehr ihnen das lichtere Zeitalter verboth, ihn in Thätlichkeit auszulassen. Daß dieser Hass bis heutiges Tags noch nicht aufgehört hat, nachdem jede Spur von Fanatismus verschwunden ist, kann nur durch die Handelsaristokratie der Juden erklärt werden. Der Egoismus nehmlich steigt in gleichem Verhältnisse mit der Aufklärung des Geistes; jedoch nach dem Unterschiede, daß während die Bessern den Nutzen und den Gewinnst des Lebens in ihrem edlen Selbst suchen, gemeine Seelen dafür nur am schnöden Gelde ihre Lust haben. Da zu lezterer Classe ein großer Teil der Frankfurter Kaufmannschaft gezählt werden kann, so war es natürlich *) Die Z§ lauten: § 116: Es ist jedem jüdischen Einwohner erlaubt. Fabriken und Manufakturen von welcherlei Waaren dahier anzulegen, nur muß er bei Verfertigung seiner Produkte lauter jüdische Arbeiter dazu gebrauchen. Die ersten Stoffe hingegen (matieres xrsmiöreZ) kann er von Christen kaufen oder bearbeiten lassen. § 117: Jeder aus solche Weise etablirten Fabrik ist außerhalb den Meßzeiten der Handel en Aros, mit ihren Produkten, in den Messen aber auch en. äst^i! zugestanden. — S. serner die Excurse.

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