Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 261 (sequence 61)
- Language
- German
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Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig Bö'rne's über jüd. Dinge. 261 hörten. Die Zeitungsschreiber hüteten sich wohl den Appetit ihrer Mitbürger zu verderben und rückten von jenem Dekret kein Wort in ihre Blätter ein; bis endlich ihre Vaterlandsliebe dem Golde der Juden weichen mußte. Alles das was in den Frankfurther Zeitungen die Juden betreffend aus dem Westphälischen Moniteur abgedrückt stand, mußte Zeile für Zeile bezahlt werden, als wäre es eine Kindbettsanonce. Die verkrüppelten Seelen nun, der Motive sich wohl bewußt, aus denen ihre sogenannten guten Handlungen zu entspringen Pflegen, wagten es, dem Edelmuth eines erhabenen Monarchen, dem Eigennutz zur Folie zu geben. Mit einer unerhörten Frechheit erzählten die Frankfurther Zeitungen, die Westphälischen Juden hätten für ihren so genädigen König eine Anleihe eröffnet, unter Direktion des Geheimen Finanzrath's JakobsohnDieses ist es worauf der Critiker in der unterzogenen Stelle anspielt. Da jede Krankheit den eigenthümlichen Grund der Genesung in sich selber trägt, so muß bei ihrer Heilung von diesem Punkte ausgegangen werden. Die Krankheit der Juden aber besteht in einer Hhperstehnie der Handels¬ und Gewinnsucht. Dadurch, daß hier alle ihre Lebensthätigkeit aufgehäuft ist, müssen natürlich die übrigen Theile ihres Organismus, geschwächt werden. Der Staat nun an den die Forderung gemacht wird, die Kräfte seiner Unterthanen gleichförmig zu reglen, hat das Recht dieses Uebermaas der Handelsthätigkeit abzuleiten. Aber alle Arzneyen, die man den Juden gegen ihre Krankheit geben will, müssen ihnen angenehm gemacht werden, sie müssen den Geschmack des Gewinnstes haben. Ihre Leidenschaft zum Handel muß selbst ein Mittel werdensie vom Handel abzuziehen. Ferner: der Ackerbau ist die Basis des Staates. Denn alle Mittel die der Staat zu seinen Zwecken anwendet, können allein durch die Liebe der Bürger herbeigeschafft 2) werden. Das Band aber das Staat und Bürger mit einander verknüpft, ist bewußtlos oder mit Bewußtseyn immer der Eigennutz. Wo der Eigennutz am größten ist, da ist die Verbindung am innigsten. Der Staat kann den Ackerbauer nicht missen, weil er die Früchte des Landes liefert; der Ackerbauer muß am Staate hangen, weil sein Vermögen als immobil mit dem ganzen gleichsam zusammenhängt. Daraus folgt denn, daß da die Juden zu Staatsbürgern erzogen werden sollen, und dieses nur durch Vaterlandsliebe bewirkt werden kann. i) Fr.: „dazu gebraucht werden". — ^) Fr.: „möglich werden". In der Casseler Zeitung stand eine offizielle Widerlegung der Verläumdung. Es heißt darin: Das Gefühl für Menschenrechte, das sich auch bald in andre Länder unwiderstehlich ausbreiten wird, bedürfe nicht des Goldes um erklärt zu werden. lNote Bd'rne'sZ.