Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 259 (sequence 59)
- Language
- German
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Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüd. Dinge. 259 doch nur, seht, erst verdient sogar muß das Glück werden ein Sklave zu sehn! Jakobsohn hat sich gleich wir erdreistet, die Quartierordnung der Juden barbarisch zu finden. Aber möge der Himmel verhüten, daß uns nicht so arg von unserm Recensenten mitgespielt werde, als jener von seinem Critiker derb und witzig abgeführt worden ist. Dieser sagt (S. 32): „Die „Juden sollen nicht wohnen wo sie wollen. Die Stadt Frankfurt „muß wohl ein altes Recht haben dieß zu fordern". Hätte dieß der Kritiker im Monat July geschrieben, so wäre uns sein tolles Geschwätz erklärbar genug gewesen, wie kann man aber im kalten Merz so was von sich geben? — Ferner stellt sich der Critiker an, als habe er von Jakobsohn darüber eine Klage gehört, daß man den Juden geräumige und gesunde Wohnungen geben wollte. Denn in einem Bierparoxysmus seiner witzigen Laune deklamirt er folgender Maßen: (Seite 33 flg.) „Soll, durch den alten Schmutz das ehemalige ekelhafte Auf- „einanderpacken, Frankfurth ein Philadelphia, und der Sitz ansteckender „Krankheiten werden? Warum fordert man nicht lieber auch für die Juden „das Vorrecht, ungehindert mit Gift zu handeln?" Warum haben Narren das Vorrecht ungehindert Albernheiten sagen zu dürfen? Aber wie, es dürfen ja auch Christen Häuser im Judenquartier kaufen, wie reimt sich dieß mit der noblen Absicht der Obscuranten? Würde es nicht verständiger Bürger genug geben, die sich nicht scheuen unter Juden zu wohnen? Könnte nicht ein verliebter Jüngling die Nähe seiner jüdischen Schönen suchen? Wäre es nicht von der Industrie der Juden zu befürchten, daß sie den Abscheu übergolden möchten, den man vor ihrer Nachbarschaft hat? Könnten nicht selbst edeldenkende Männer ihre Häuser zu billigen Preisen anbiethen, um christliche Käufer zu locken, und dadurch den Schaden zu verhüten, der durch das Zusammenwohnen der Juden unfehlbar hervorgebracht wird? Wie, dachte man nicht an diese Gefahren? Gedult nur. Die Raffinerie der Boßheit übersteigt den Verstand der vorurtheilsfreyen Bürger: sie besiegt den Wahnsinn des liebekranken Jünglings den Handelswitz der Juden: sie schwächt die Lockung des Edelmuths. Sie hat für alles gesorgt. Man lese den § 107, dort steht folgendes: „Es „können zwar auch Christen, Häuser in dem Judenquartier kaufen und be- „sitzen ... sie haben aber kein Recht an jemand Andern als an Juden, „Ansätze darauf zu constituiren. Nebst dem steht auf solchen von Christen „erkaust werdenden jüdischen Häusern jedem in der Stättigkeit eingeschriebenen Juden und auch der jüdischen Gemeinde in Gesammtheit das