Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 258 (sequence 58)
- Language
- German
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258 Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüd. Dinge. sprach das Gesuch in Erwägung zu ziehen. Eine saubere Gesellschaft aber, von der^) wir unten mehr erzählen werden, suchte die Sache beim Senat zu unterdrücken. Sie ward in die Länge gezogen, und ist daher bis jetzt unentschieden geblieben"). Im Jahre 1807 ward es kund, daß man sich damit beschäftigte, die Verhältnisse der Juden von neuem zu reguliren. Es dachte auch nicht einer so entehrend vom 19ten Jahrhundert, daß er hätte erwarten sollen, es würde wieder von einem Judenquartier die Rede sehn. Aber die Wirklichkeit indem sie den Stolz des Zeitgeistes demüthigte, strafte die Propheten Lügen. Lese die Z 101, 102. Die Herrn mochten wohl gewittert haben wie es urplötzlich dem eisernen Schicksal gefallen dürste ihr papiernes Machwerk umzuhauchen sie waren daher darauf bedacht, es wenigstens so sest zu pappen, daß es solchen feindlichen Aussenverhältnissen ehrenhalber einen Augenblick länger wiederstehen könne. Neue Häuser werden freylich nicht so bald baufällig als einige Bogen Druckpapier zerrissen werden können; darum eilten sie aber auch die schimpfliche Auszeichnung einer abgesonderten Wohnung, den Juden so schnell als möglich anzuheften. Es heißt daher in Z 103 — (kommt Ihr Betrübten und werdet lustig) — Es heißt: „all dieses (die „Verordnungen über die Wohnung) .... ist von der jüdischen Gemeinde „als eine unnachlässliche Bedingung der Befähigung zur „gegenwärtigen Stättigkeitsordnung zu erfüllen" Seht 2) Fr.: „wovon". *) Die erwähnte Supplik der Judenschaft datirt vom 20. December 1802. (Franks. Stadtarchiv Mb. v. 33, Nr. 106.) Es heißt zu Eingang, daß die hohe Einsicht des Senats die Bittsteller der betrübten Miihe überhebe, die Einschränkungen zu detailliren, „welche einzig den Juden als solchen binden und welche seiner Vervollkommnung in Beziehung auf den Menschen und den Bürger den Weg vertretten". Mit der Wirkung dieses niederschlagenden Zustandes kämpften sie schon Jahrhunderte lang, ein feindseliges Schicksal habe ihrer Mißlage im Laufe des letzten Krieges einen traurigen Zuwachs gebracht. „Wir haben durch das .... Bombardement 130 Häuser verloren" . . . „Der Werth von zwei Millionen wurde ein Raub jenes Feuers". Sie bitten unterthänigst: „jenen kleinen Wohnbezirk damit huldreichst zu öfnen, daß die Stadt Mauer auf der Allerheiligen-Gasse, mit welcher die Juden- Gasse eingeschlossen ist, zu den dorten zu erbauenden Häußer mit zu benutzen gestattet werde, und uns ferner die großmüthigste Erlaubniß zu ertheilen, wo nicht durchgehend?, doch auf der neuen Anlage Häußer zu erbauen, auch schon angelegte an uns zu kaufen und solchergestalt unter den andern Bürgern wohnen zu können". Die Supplik ist mit dem Vermerk: „rev.. Hartwig" versehen (s. Einleitung S. 215). Weiteres über ihren Inhalt in einer folgenden Note (S. 65).