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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 257

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
Date
1890-01-01
Page
Seite 257 (sequence 57)
Language
German
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Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüd. Dinge. 257 sagte der orientalischen Sitte immer mit bedecktem Haupte umherzugehen. Es war nun unbequem die Kinder ferner die Schulen der Judengasse besuchen zu lassen, man fand sich daher bewogen sie in christliche Schulen zu schicken. Dieses gab Veranlassung zur Errichtung neuer jüdischen Schulen, die nicht des Kontrastes mit den altern Anstalten bedürfen, um vortrefflich befunden zu werden. Unzählige Vortheile waren es, die aus der Einäscherung der Judengasse hervorgingen. Man hätte nun erwarten sollen, daß hierdurch der Hass der Bürgerschaft gegen die Juden würde zerstört werden 2). Denn man sah, daß die jüdischen Bewohner die Christenstadt weder verpestet noch die Sitten ihrer Nachbarn verderbt hatten. Kein Feuer fiel vom Himmel, kein Erdbeben ward vernommen, kein furchtbarer glühender Komet drohte die ruchlose Stadt zu zerstören wo Juden mitten unter ehrlichen Leuten wohnen^). Man sah daß der Jude kein so schlimmes Thier sey, das man wohl zu verwahren habe. Aber eben durch die Erkenntniß dieses, blieb der Hass nicht blos ungeschwächt, sondern er wurde immer mehr gestärkt. Denn wie es die Bosheit sonst bequem fand die Juden verachten zu dürfen, um ihre Verfolgung damit zu rechtfertigen: so mußte ihr Herz ergrimmen, daß ihr diese Rechtfertigung entzogen ward. Denn die Lächerlichkeiten der Juden verminderten sich täglich. Es war nicht mehr der Moses, dem der ekle Geifer von dem Barte träufelte, der mit schlotternden Beinen und gesenktem Haupte über den Markt schlich. Die Jungens hüpften froh umher, und ihre Röcke waren nach der neuesten Mode. Man hörte seltener den jüdischen Dialekt, man sprach Deutsch wie Adelung, und gar^) mancher konnte guten Morgen sagen in verschiedenen Sprachen. Ja hatte doch Esther die Kühnheit sich Elwire zu nennen, und es war ihr unter dieser Maske gelungen sich auf dem Sandhose) unter christliche Tänzerinnen zu mischen, und als Jüdin unentdeckt zu bleiben. „O Ihr Götter habt Ihr keine Blitze?" Aber Zeus lächelte und schwieg. — Im Jahre 1802 war die Rede davon, daß die Judengasse wieder aufgebaut werden sollte. Die Gemeinde trug darauf an, daß man es ihr erlauben möchte — nicht wohnen zu dürfen wo sie wollten (solche kühne Forderungen wagte man 5 Jahre vor Errichtung des westphälischen Königreichs noch nicht zu machen); sondern daß man das Judenquartier noch auf die Straße ausdehnen möchte, die an die ^) alte Judengasse grenzt. Man ver- 2) Fr.: „wäre zerstört worden". - ^) Fr: „wohnten". — s> „gar" zugefügt. — Fr.: „die" der „der"? *) Ein Vergnügungslokal am Saume des Stadtwaldes belegen. 17*

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