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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 250

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
Date
1890-01-01
Page
Seite 250 (sequence 50)
Language
German
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250 Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüd. Dinge. er 2 Gulden im Vermögen hat, doch 1000 davon geben muß, weil man ihm vorrechnen wird, wie viel er bis in sein 7vtes Jahr als kluger Kaufmann verdienen könne, zumahl da der Verstand in geometrischer Progression zunimmt. Da wir nun an der immer fortschreitenden Vervollkommnung der Welt glauben, so erwarten wir mit Zuversicht, daß einst die goldne Zeit kommen werde, wo der Staat den Verstand und das Talent in Taxe nehmen, die Narren und ungeschickten aber unbesteuert werde essen und schlafen lassen. Dann werden die Polizehbehvrden nicht mehr in die Geldkasten und Handlungsbücher schauen; sondern sie werden nach Gallischen Regeln die Köpfe der Bürger befühlen, um daraus ihre Norm für die Besteuerung herzunehmen. Vor der Hand aber müsste es doch noch bei dem alten Steuersysteme bleiben, wie es in jedem Staat eingeführt ist, daß nehmlich das Capital taxirt wird, nicht aber der imponderable Geist. Ter Critiker Jakobsohns scheint indess von solchen Dingen wenig Notiz zu habenund er ist zu entschuldigen, wenn er ein Steuerungssystem einzuführen sucht, wobei er so wohlfeil wegkommen würde. -Bei der Aufnahme in die Gemeinde zahlt der fremde Jude 5 k>ro Oen. von seinen Vermögen, und es darff in keinem Fall mehr genommen werden (Z 62). Es ist hierbei nichts zu bemerken. Wir haben aber eine Thräne der Rührung nicht unterdrücken können, die eine so grosmüthige Genügsamkeit uns entlockt hat. Alle die übrigen Bagatellen die der Jude hie und da und dann und wann zu zahlen hatte, fallen künftig als dem Geiste der Zeit nicht angemessen-) gänzlich weg. An deren Statt aber zahlt die ganze Judenschast ein Judenschast Conzessions-geld von 22 000 Gulden (Z 63)^). Das heißt so überhaupt. Dieses Concessions-geld könnte unverständigen Menschen, die mit der wahren Beschaffenheit der Sache nicht bekannt sind, einigermaßen enorm vorkommen. Wir wollen aber jene unbilligen Leute eines Bessern belehren. Die Summe der verschiedenen Abgaben, welche die Judenschaft unter verschiedenen Namen und Titeln, mehr als die 5) Von hier ab Einfügung bis Ende des Absatzes. Lies die Bemkundigung der Stättigkeit. Mote Börne's.^ Z 63: „Alle übrige von den hiesigen Juden bisher an das städtische Aerar unter welcherlei Namen und Titel bezahlte Abgaben, welche der christliche Einwohner nicht zahlt, oder in welchen der Jude in Vergleich mit den christlichen Einwohnern bisher höher angesetzt worden, hören in Zukunft auf, uud es zahlt an deren statt die gesammte Judenschaft ein jährliches Judenschafts-Concesstonsgeld von 22000 fl., aus welchem aber auch der Fürstliche Commifsair und der GemeindS-Schreiber belohnt werden. Unter dieser Summe sind auch die Reluitions-Gelder für die sonst von der Jndenschaft zu leistende Natural-Wachtdieuste begriffen".

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