Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 245 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2259275-2259324-2259327-2264517--1647-2264680- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüd. Dinge. 245 haben, so sind es leztere noch weniger weil ihr Verlust und Gewinnst von einer Quelle ausgeht die ganz verschieden ^) von jener ist, aus der das allgemeine Staatswohl fließt. In einem gesunden Staate aber muß das Glück und Unglück jedes Einzelnen vom Wohl und Weh des Ganzen abhängig gemacht werden. Man bedenke nur z. B. wie nothwendig es seh, daß die Wünsche jedes Bürgers über Krieg und Frieden mit den Wünschen des Staats übereinstimmen, damit er seine Tätigkeit dem gemäß einrichte. Bei guten Bürgern wird man auch finden, daß dieß der Fall seh. Nicht aber so beim Juden, denn diesem ist der Krieg immer willkommen. Wenn zwar der Kausmannstand im allgemeinen derjenige Stand ist, der durch den Krieg am wenigsten leidet, so sind doch die christlichen Kaufleute dabei ^) immer gefährdet genug, daß sie ihn verwünschen müssen. Denn bei jenen ist es meistenteils die Waare die den Gegenstand ihres Handels ausmacht. Die Waare aber ist im Kriege, erstens als Raum erfüllend der Plünderung ausgesetzt. Ferner hängt ihr Umsatz von dem Grade des Luxus und des Bedürfnisses ab, der im Kriege sehr wandelbar ist. Endlich wird durch den Feind der Transport derselben verhindert und oft unmöglich gemacht. Der jüdische Kaufmann aber betrachtet das Prinzip des Handels als Objekt des Handels, d. h. er macht das Geld (ein idealisches) zur Waare, und entzieht sich hierdurch den Gefahren, denen der christliche Kaufmann ausgesetzt ist. Da nun der jüdische Handelsmann seine Sicherheit durch den Krieg nicht gefährdet sieht so kann er mit Freiheit die Gelegenheit zum Gewinnst benutzen, die in Zeiten der Unruhen eintreten, er muß also den Krieg wünschen. Will man sich von dem gesagten überzeugen, so gehe man die Frankfurther Juden durch, und man wird eine große Anzahl unter ihnen finden, die sich durch den französischen Revolutionskrieg bereichert haben. Dieses aber was wir eingestehen, die wir für die Juden schreiben, hätte der Critiker des Hrn Jakobsohn der gegen die Juden schreibt, aus keinen Fall übergehen sollen. Und dieß um so weniger da er in seinem aufgestellten Grundsatze, den wir mit No. 1 bezeichnet haben, sagt: Sicherheit des Staats sey Staats-zweck. (Welches beiläufig gesagt etwas verkehrt ausgedrückt ist, denn der Staat muß doch schon vorhanden sehn, wenn er gesichert werden solN), wie kann also Sicherheit des Staats zum Staatsprinzip gemacht werden?) Nach Nr. 2 der angeführten Grundsätze (Oben Seite 40) kan i) Fr.: „die verschieden". 2) Fr.: „durch ihn" statt „dabei". ^) Fr.: „denn der Staat muß doch vorhanden sein, der gesichert werden soll".