Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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244 Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüd. Dinge. Vielmehr denken wir, daß jeder Politiker dieses wissen könne.) Dieser Satz nun wird in der Critik angefochten. Es wird behauptet daß unbeschadet dem Staate in Frankfurth nicht mehr als 500 Judenfamilien leben könnten. Diese Behauptung aber wird in einer Deduction erwiesen, die unbestimmt läßt ob mehr die Nachlässigkeit zu tadeln seh, mit der man die Regeln der Logik behandelte, oder mehr die Kühnheit zu bewundern mit der es geschah. Es werden folgende Sätze aufgestellt (S. 21, 22): 1. Der Staat ist schuldig, für die Sicherheit aller seiner Bürger zu sorgen. 2. Staatsbürger kann nur der sehn, der alle Lasten des Staats, gleich jedem seiner Mitbürger trägt, und sich keiner derselben entzieht. 3. Geschützt kann nur der zu werden verlangen, der nicht übernommene Lasten verhältnißmäßig vergütet. 4. Wie viele Schützlinge der Staat aufnehmen will, wird durch die Anzahl der Staatsbürger bestimmt, welche die vom Schützling nicht zu leistende Staatsbürgerpflicht für ihn, wenn auch für eine Vergütung übernehmen müssen. RrZo: können in Frankfurth nur 500 jüdische Familien gedultet werden! Man sehe doch wie schlau der liebe Mann dafür gesorgt hat, seine Schlüsse ohne Gefahr aufführen zu können. Er hätte zuvörderst den Beweis führen sollen, daß der Jude überhaupt zum Staatsbürger nichts tauge, und wenn ihm dieser Beweis gelungen wäre, so hätten wir ihm mehr daraus zugegeben als er nur immer verlangt hat. Seiner Meinung nach sind doch immer 500jüdische Familien mit dem Wohle Frankfurts vereinbar; aber nach unserer Ansicht sollte der Staat auch nicht einen Schützling als Nicht bürger dulden. Aber hier erkennt man wieder deutlich die rächende Hand der Nemesis, und wie Bosheit und jedes Laster immer nur gegen sich selbst wüthet! Man hat trotz dem Hasse den man immer gegen Juden hatte, sich doch nie entschließen können, sie gänzlich aus dem Lande zu vertreiben. Denn die Habsucht die von ihrem Reichtum nutzen ziehen wollte, war stärker noch als der Hass. Dieselbe Toleranz die man an vielen Orten den Bettlern angedeihen ließ, war es auch die den Juden zu statten kam. Wie erstere nicht zu dulden wären, weil sie nichts zu verliehren und alles zu gewinnen ') Fr.: „wenigstens 500".