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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 243

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
Date
1890-01-01
Page
Seite 243 (sequence 43)
Language
German
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Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig Bö'rne's über jüd. Dinge. 243 der Wahrheit erblicken sollen. Wir — als auch zur Nation gehörig — kletterten keuchend den kritischen Maulwurfshügel hienan, und schauen nun hienab in das freundliche Thal, das man zur Belustigung unseres Zwerchfells ausgebreitet hat. Es ist hier nähmlich die Rede von dem 39sten Z, wo es heißt: es sollen nicht mehr als 500 jüdische Familien dahier seßhaft sehn u. s. w.-) Da wir im Besitz der Antwort sind so brauchen wir mit Jakobsohn die Frage nicht aufzustellen, warum nicht mehr und nicht weniger als 500 Familien in Frankfurth gedultet werden sollen. Mehr sollen nicht gedultet werden, weil man doch so wenig als möglich die Barbareh des Ilten Jahrhunderts wollte aussterben lassen, und weil nach der Constitution von 1616 ebenfalls nur 500 Familien in Frankfurth wohnen dürfen. Man wollte sie aber auch nicht sammt und sonders zum Thor hinausjagen wie Jakobsohn anrathet, weil wie sein Critiker S. 27 sehr naiv bemerkt, der Staat ihrer Abgaben doch bedarf^). Beiläufig gesagt ist dieß der wahrste Satz der in jener Schrift vorkömmt. Nur begreifen wir nicht wie der Verfasser sich selbst und den Legislatoren die er verteidigen wollte eine solche Sottise hatte machen können. Jakob söhn stellt den Satz auf (Seite 14): Der Staat braucht so viele Menschen, als in ihm sich ernähren, leben und das Leben genießen können. (Wir theilen mit ihm diese Meinung, aber nicht den frommen glauben, daß es der ewigen Weisheit allein vorbehalten seh, zu bestimmen wie viel Menschen sich in einem Staate ernähren können. *) Z 39: „Es sollen nicht mehr als 500 jüdische Familien dahier seßhaft seyn und in die Stättigkeit aufgenommen werden, so lange diese Zahl voll ist, darf durch Verheurathung keine neue Familie gestiftet werden." Z 40: „Jede Familie bekommt ihre Nummer, die aus den ältesten, oder bei dessen Ermanglung auf einen andern sich verheurathenden Sohn und, bei Mangel der Söhne, aus die älteste Tochter und deren eheliche Nachkommen auf gleiche Weise übergeht; in diese Familien-Nummer kann auch dann, wann der Vater Wittwer und schon so alt ist, daß er voraussichtlich nicht wieder Heurathen, noch Kinder zeugen wird, .... eingerückt werden." **) „Heftig beschwert sich Herr Jakobsohn über die Abgaben, welche der Judenschaft ausgelegt sind. Er schildert sie als das härteste, drückendste Loos, als die rauheste Barbarey. Wären seine Klagen gegründet, so würde Frankfurt bald ohne Juden seyn: diese würden den Ort verlassen, wo sie nicht leben könnten, und ein besseres Loos in andern Gegenden suchen. Der Staat weiß das voraus; er wird eine nirgends heimische Nation mithin nicht zum Emigriren zwingen, weil er ihrer Abgaben doch immer bedarf. Die Behauptung kostete sreylich Herrn Jakobsohn nur ein paar Federstriche, daß die Menschen, sind sie nicht Juden, das nicht verstehn, was sie verstehen und wissen sollen. Doch denke ich, das ist nur so eine Redensart."

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