Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 238

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
Date
1890-01-01
Page
Seite 238 (sequence 38)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2259275-2259324-2259327-2264517--1640-2264673
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

238 Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig Bö'rne's über jüd. Dinge. Nachtheile sind auf jener Seite! Welche Mühen und Kosten hätte die väterliche Sorgfalt der Legislatoren sich nicht dadurch ersparen, und ihre grosmüthigen Kräfte bei einer andern Gelegenheit dafür um so mehr für das Wohl der Juden anstrengen können! Wie heilsam wäre nicht eine Untermengung von Christen und Judenknaben für Leztere gewesen! Wie sehr wäre nicht durch diesen Conflict die centrisugale Kraft des Judaismus geschwächt worden. Wie bald hätten sich nicht die Kinder bei ihrer Geselligkeit und ihrem Nachahmungstriebe mit den Begriffen der Christenkinder verschwistert. Wie schnell hätten sie sich nicht die Gefühle der Ehre und der Vaterlandsliebe angeeignet, Gefühle welche zugleich Bedingung und Endzweck aller Civilisirung sind. Wie viel Gelegenheit hätten sie nicht gehabt ihren Muth zu cultiviren, da es unter Schulkameraden an Händeln und Balgereyen nie fehlen wird. Wir könnten ein Register ohne Ende von allen den Vortheilen machen, die daraus entstanden wären, wenn man statt neue Schulen zu bilden, den Judenkindern den Besuch der christlichen Schulen ohne Ausnahme und Einschränkung verstattet hätte. Aber warum geschah es nicht? Wir wollen keineswegs die Vermuthung simuliren, als habe man gefürchtet, den Christenknaben durch die Gesellschaft der jüdischen zu schaden, denn wir wissen bestimmt, daß dieses nicht der Fall war. Die Schulcuratel hat zu verschiedenen Malen, die Erziehungsanstalten untersucht, die sich seit einigen Jahren in der hiesigen Judengemeinde gebildet hatten, und diese Anstalten wurden als vortrefflich erklärt^). Ja, man hatte in einem Bericht an die oberste Behörde bestimmt ausgesprochen, daß das sittliche Betragen, der Fleiß und die Lernbegierde der Zöglinge bis zur Unbegreiflichkeit groß wären*). Aber bei allem dem endlich warum hat i) Fr.: „wurden für". *) Hier find wohl die Gutachten des Oberlehrers der Bürgerschule, Gruner, und des Conrektors des Gymnasiums, C. F. W. Mosche (nachmals Direktor des Gymnasiums zu Lübeck), über das Philantropin gemeint. „Der lebendige Eifer und die unermüdete Sorgfalt für ihre Anstalt," sagt Mosche u. a., „welche ich überall bei den Vorstehern wahrnahm, die große Theilnahme, welche alle, und die verständige Theilnahme an der Prüfung, welche mehrere unter den Anwesenden ihrer Nation bewahrten, die Gründlichkeit in Kenntnissen und die Geschicklichkeit in der Methode welche der Lehrer, der damals hauptsächlich austrat, Herr Levi, zeigte, und die Fortschritte der Schüler, welche für die kurze Zeit ihres Unterrichts sehr bedeutend waren, dieses alles war es, was mich so sehr ergriff und woran ich mich jetzt noch so bestimmt und so gerne erinnere". Das Gutachten, datirt vom 22. November 1805, wurde durch die Direktoren des Philantropin vr. Goldschmidt und vr. Oppenheim nebst einem Berichte dem Schöffen Fr. M. von Günderrode vorgelegt. Vgl. Baer-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.