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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 237

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
Date
1890-01-01
Page
Seite 237 (sequence 37)
Language
German
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Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig BLrne's über jüd. Dinge. 237 das vertrauliche unser wird nur dann ausgesprochen wenn vom Handel oder vom Gelde die Rede ist. Auch kann es nicht anders seyn, da — bis vor wenigen Jahren — der ganze Unterricht der jüdischen Jugend darauf hinarbeitete die Centrifugale Tendenz des Judaismus zu bestärken ^). Der Verfasser dieser Bemerkungen weiß sich noch gut zu erinnern wie er alles was er in seiner Kindheit lernte, nur in so fern verstand und würdigte, als er es in Beziehung mit seiner biblischen Wissenschaft zu bringen wußte. Der Unterricht in der Geographie war ihm nur darum angenehm weil er ihm Mittel verschaffte auf der Landkarte den Berg Sinai zu entdecken, und beim Anblick eines Schaafhirten dachte er an weiter nichts als an die Schleuder des kleinen Davids womit er den Riesen Goliath tödtete. Fasst man nun dieses alle zusammen, erwägt man wie die Unwissenheit des Juden durch die UrVerfassung ihres ehemaligen Staates begründet, durch die Gewohnheit von Jahrtausenden befestigt und durch den feindlichen Einfluß der ganzen Welt nothwendig gemacht worden ist; erwägt man welche Anstalten dazu gehörten so große Wirkungen solcher großen Ursachen zu zernichten: so traut man seinen Sinnen kaum wenn man aus der Stättigkeitsordnung ersieht, daß man diese Veränderung durch 12 magre §§ glaubte bewirken zu können! Der Inhalt dieser W rechtvertige unser Urtheil. Nach den ss 21—23-) sollen Schulen mannichfacher Art errichtet werden — Pflanzschulen für einstige Staatsbürger, (wo nicht zu befürchten ^) steht, daß zwischen Saat und Aerndte der jüngste Tag eintreten möchte). Es wird verordnet,: zuerst eine Trivialschule für den Niedern Unterricht, dann eine höhere Anstalt für die Kinder reicher oder (!) angesehener Eltern, und endlich eine Arbeits und Industrieschule. Wir fragen: warum sollen denn die Juden ihre besondern Schulen haben, warum will man sie nicht an den schon vorhandnen christlichen Anstalten Theil nehmen lassen? Welche Vortheile wären auf dieser, welche i) Am Rande ein von B. herrührender Rothstiftstrich. — 2) Fr.: „fürchten". *) Z 21: „Für den untern Unterricht ist eine allgemeine deutsche Trivial- Schule bestimmt, in welcher nebst dem ersten Religions-Unterricht, das deutsch Lesen, Schreiben und Rechnen gelehrt wird." § 22: „Für Kinder reicher oder angesehner Eltern folgt hierauf eine Bildungs- Anstalt für höhere Kenntnisse, z. B. der Geschichte, Erdbeschreibung, Naturgeschichte und Naturlehre. In beiden wird, wenigstens bei den höheren Klassen, die Abtheilung in der Schule für Knaben und Mädchen gemacht." § 23: „Mit beiden wird eine Arbeits- oder Industrie-Schule, sowohl für Knaben als Mädchen, verbunden; für erstere insbesondere werden gymnastische Uebungen angeordnet."

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