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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 236

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
Date
1890-01-01
Page
Seite 236 (sequence 36)
Language
German
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Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüd. Dinge. dürfnisses ein Zustand des Kampfes vorhergehen muß, wie wir es durch die ganze Geschichte finden, daß jedes kunstreiche Volk zuvor ein kriegerisches gewesen war. Nach Zerstörung des jüdischen Reichs fielen zwar die vorhandnen Ursachen weg, aber es traten neue ein welche verhinderten daß sich die Juden eine wissenschaftliche Bildung geben konnten. In den ersten Jahrhunderten nehmlich der christlichen Religion waren es Fanatismus und blinde Mönchswuth welche den Juden verfolgten. Stäts in ängstlicher Sorge für die Erhaltung ihrer Persönlichkeit konnten sie zu einer stehen Ausbildung^) ihres Geistes unmöglich Muse gewinnen. Nachdem in späterer Zeit ein aufgeklärtes Christenthum den falschen Religionseifer verbannte traten Neid und Habsucht ein welche die Juden zu verderben suchten. Denn letztere da sie einzig und allein ihre Geisteskraft auf den Erwerb ihres Unterhalts richteten, mußten bald die Aristokraten des Handelsstandes werden und dadurch die Eisersucht der Menge erregen. Aus diesen Gründen der Habsucht hört 2) man bis zur gegenwärtigen Stunde noch ^) nicht auf die Juden zu verfolgen, und man gebrauchte die Religion nur noch zum Vorwand des Hasses. Aber dieses alles trug dazu bei die Unwissenheit des Juden permanent zu machen. Wie weit diese gehe kann nur der wissen der selber ein Jude ist. Wir reden hier nicht von den benannten Scienzen die man aus Büchern erlernt, sondern mehr von jener Wissenschaft die bewußtlos und allmählig in uns einfließt sobald wir mit der Welt und der menschlichen Gesellschaft in jedmögliche Berührung kommen. Wir reden von jener allgemeinen Lebensansicht, von der Erkenntnis jener unsichtbaren Fäden, welche die Welthändel unter sich, und diese mit jedem einzelnen in Verbindung setzen, von solcher Wissenschaft meinen wir, daß sie den Juden gänzlich abgehe. Der Egoismus der zwar in der Praxis stäts seine Rechte behauptet, wird doch zuweilen theoretisch verläugnet. Bei den Juden aber verkehrt ^) er auch in der Theorie nie seine Herrschaft. Untersucht man die cosmopolitische Ansichten des Mittelstandes unter Christen, so wird man finden, daß ein jeder irgend etwas als Mittelpunkt sezt, entweder seinen Landesherrn oder den Staat überhaupt oder sonst ein Anderes, wobei ^) er denn sich selbst höchstens nur als ein Trabant dieser Centralsonne betrachtet. Unter den Juden aber steht keiner so niedrig, daß er sich nicht als Mittelpunkt der ganzen Welt ansehen sollte. Ein Preußischer Bürger z. B. wird sagen: unsre Armee ist geschlagen, unser König hat Frieden gemacht; ein Preußischer Jude spricht die Preußen sind geschlagen, der König hat Frieden gemacht und i) Fr.: „Ausübung". — '-') Fr.: ..hörte". — ^) ..noch" eingesch. - 4) Fr.: ..verläßt". — Fr.: „wo".

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