Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 35)
- Language
- German
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Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig BLrne's über jüd. Dinge. ZZZ Aber der Geist der mosaischen Politik spricht es in jedem Gesetze deutlich aus, daß er glaubte dem jüdischen Staate nur durch die strengste Jsolirung von der übrigen Welt, seine Erhaltung verfichren zu können. Die Israelitische Nation nehmlich war nie eine kriegerische gewesen, wie ein Volk unmöglich tapfer sehn konnte, dessen Ahnen einige Jahrhunderte lang unter Sklavendruck gehalten worden waren. Da aber die Eindrücke der Jugend Ms dauerhaft sind, so mußte der Feigsinn welcher den Voreltern der Juden durch knechtische Arbeiten eingebildet worden, um so bleibender seyn 2), da die Zeit die das jüdische Volk in Aegypten zubrachte als die Zeit seiner Kindheit angesehen werden kann. Moses erkannte nun wohl wie wenig sein Volk geeignet wäre Eroberungen zu machen und die gemachten durch ausdauernden Muth zu erhalten. Er sah es vorher daß der Muth und das Selbstvertrauen mit dem die Juden unter seiner Anführung fochten, mit seinem Leben zugleich aufhören müsse, oder doch höchstens nicht länger als die Begeisterung dauern könne die sein Andenken in ihnen zurücklassen werde. Nachdem es nun Moses vergeblich versucht hatte in einem Zeitraum von 40 Jahren die alte Generation mit dem Sklavensinn aussterben zu lassen, so eilte er den Rausch der Religion zu benutzen um den Juden den Besitz des angelobten Landes zu verschaffen. Er mußte aber zugleich darauf bedacht seyn, den Juden alle Gelegenheit zu benehmen wodurch sie ihren Mangel an kriegerischem Geiste kund thun, und dadurch ihren Feinden den Muth geben konnten ihnen in der Zukunft den Besitz Palästinas wieder streitig zu machen. Daher einerseits die vielen strengen Gesetze die alle dahin zielten einen Conflict zwischen Juden und Ausländern so viel als möglich entfernt zu halten; daher anderseits die Grausamkeit mit der man den geschlagenen und verjagten Völkern begegnen mußte um ihnen für die Zukunft die Lust zu benehmen, solche furchtbare und grausame Feinde als die Juden zu bekriegen. Es war also Grundmaxime der mosaischen Politik den Staat auf Jsolirung zu gründen, die Mittel aber, die Moses zu diesem Zwecke anwendete waren so weise und kräftig, daß sie noch bis den heutigen Tag fortwirken, nachdem der Zweck lange nicht mehr vorhanden ist. Aus dem Gesagten erhellen nun die Gründe, warum die Juden als sie noch ein Volk ausmachten, sich mit der Wissenschaft fremder Nationen nicht bekannt machen konnten, da diese Befreundung mit der Existenz ihres Staates nicht vereinbar war. Aber das jüdische Volk konnte Wissenschaft und Kunst nicht aus sich selber schaffen, weil beiden als Töchtern des Bei) Fr.: „werden".