Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 234 (sequence 34)
- Language
- German
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2Z4 Schnapper-Arndt. Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüd. Dinge. liches gesagt haben, findet theils nicht immer seine Anwendung, und ist theits nicht hinreichend um als Norm für die Erziehung der Juden dienen zu können. Wir werden dieses nachher weiter auseinandersetzen. Der Critiker des Herrn Jakobsohn spottet zwar darüber (S. 17)") daß die Kinder Gottes eigne Verstandeskräfte haben sollen; doch seine Persiflage ist so crass, daß wir sie wahrlich nicht zu beachten ^) brauchen. Offenherzig gesprochen sind wir nicht deutsch genug um gleich Krämpfe davon zu kriegen wenn einmal der Schriftsteller, die Etiquette der Logik verlachend, mit geistesband kräftige Ohrfeigen austheilt; aber der Ekel wandelt uns bis zum Erbrechen an wenn es auf eine Weise geschieht deren sich der Verfasser der Bemerkungen seine ganze Schrift hindurch bedient. Es wäre uns unbegreiflich wie man sich erniedrigen könne solche verdrecknete Spässe von ^niw 1616-") wieder aufzufrischen, wenn nicht die Sache ihre Erklärung zugleich mit ihrer Entschuldigung in unsrer Bermuthung fände, daß der liebe Mann zu den Bewohnern jenseits der Brücke gehören mag, die wegen 2) Rustizität ihrer Sitten und ^) Corpulenz ihrer Spracke so berüchtigt sind"""). Ob zwar froh der Gelegenheit eine Probe unserer Unbefangenheit ablegen zu können, macht es uns doch Verdruß gestehen zu müssen, daß die Unwissenheit des Juden — insoweit sie eine Negation des Unterrichts zum Grunde hat — über allen Glauben gros ist. Diese Thatsache wird erwiesen aber auch entschuldigt seyn wenn wir die Notwendigkeit daß es so kommen mußte werden aufgezeigt haben. Moses hatte die Religion sammt^) allen ihren Institutionen unter dem Thema eines alleinigen Gottes seinem Volke gegeben. Und er mußte dieses, sobald er die Kirche seinen Staatsmaximen anpassen wollte. ^) Fr.: „zu beachten haben". — ") Fr.: „durch". — ^) Fr.: „und durch die". — Fr.: „mit". *) Aber die Herren" ^sc. der allgemeinen Schulkuratel^ „kennen ja die jüdische Jugend nicht — die Kenntniß besitzen nur die gebildeten Juden. Die Judenkinder bedürfen einer ganz anderen Methode, als die Christenkinder; ihre Verstandeskräfte sind ganz andre, und den Christen unbekannt! Ganz anders müssen sie behandelt werden, sollen sie vorwärts kommen; und die Regel christlicher Erzieher, deutliche Begriffe bey dem Kinde hervorzubringen, und auf diese seine Ausbildung zu bauen, ist hier nicht anwendbar! Sind sie doch Glieder des Volkes Gottes, uns in allem so weit voraus- Ist das des Tadlers" pe. Jakobsohns^ „Meinung, warum sagt ers nicht, da ers mit seinen heiligen Schriften belegen kann?" **) Datum der alten Stättigkeit. Die Bewohner des linksmainischen Theiles von Frankfurt, die Sachsenhäuser, stehen seit Alters im Rufe besonderer Derbheit (s. auch weiter unten bei Börne, S. 269).