Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 233 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüd. Dinge. 233 von der Existenz des Kindes benachrichtigt wird. Was ist aber sonst damit gemeint?'). Der Kritiker des Herrn Jakobs ohn giebt zwar in seiner Schrift Seite 19 einen Grund davon an, von dem man aber nicht weiß ob er mehr lächerlich oder mehr albern ist. Er sagt: ja, darum müsse man sich zur Beschneidung melden, damit wenn etwa ein Vater Lust habe, sein Kind in eine andere Religion treten zu lassen, der Commissair diesen gegen die Ankämpfungen des Rabbiners schützen könne. Aber wenn das Kind getauft werden soll, so braucht es nicht beschnitten zu werden, und wozu soll dann die Erlaubnis zur Beschneidung da man sich ihrer nicht bedienen will? Uebrigens ist es ja noch eine große Frage ob es der Staat zugeben soll, daß ein unmündiges Kind eine andere Religion bekomme als die des noch lebenden Vaters. Der Jude nähmlich der sein Kind dem Judenthum entziehen will muß doch ein aufgeklärter Mann sehn. Aber warum wird er in diesem Falle nicht selbst Christ? Es könnte nun freylich sehn daß alte Verhältnisse und Verbindungen in denen er mit andern Juden steht ihn davon abhielten; werden dann aber auch diese Beziehungen nicht auch auf das getaufte Kind Einfluß haben, daß so lange es unmündig ist, als ein Theil des Vaters betrachtet werden muß? Wir wollen nun zur Betrachtung des 2ten Abschnitts schreiten welcher überschrieben ist: Unterricht und Schulen. Wir haben das Ueberschrieben geflissentlich2) betont, um unsre Verwunderung zu bezeichnen, daß das Inwendige des Gebäudes so wenig seinem glänzenden Aushängeschilde entspricht. Welche heilsame Bestimmungen hätte man nicht zu unsrer Zeit von einem Gesetze erwarten dürfen, das den Unterricht der Juden zum Gegenstand hat, und wie wenig ist der ganze Abschnitt jenen Erwartungen entsprechend! Nicht blos daß das meiste unberührt geblieben ist, was in Erwägung hätte gezogen werden sollen; sondern auch von allem, was hier gesagt worden, ist das Meiste zwecklos und manches zweckwidrig in jeder Hinsicht. Da es immer der Fall war, daß der Sinn dann am kräftigsten hervortratt wenn die That mangelte, so ließe es sich schon a xriori darthun, daß unser Zeitalter herrliche Ideen über Erziehungskunst entwickelt haben muß, weil in der Wirklichkeit die Kinder so sehr schlecht erzogen werden. Allein alles was die Pädagogen über ihre Wissenschaft ^) vortreff- ') Die beiden letzten Sätze später eingeschoben. — 2) Fr.: „Wir haben geflissentlich die Überschrift dieses Titels betont". — ^) Fr: „vortreffliches über ihre Wissenschaft".