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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 230

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
Date
1890-01-01
Page
Seite 230 (sequence 30)
Language
German
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230 Schnapper-Arndt: Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüd. Dinge. Nur glauben wir, wird es nie dahin kommen können, daß diese Verordnung in Anwendung gebracht werde, da die Bildung die man durch jene bewährten Rabbiner den Juden will angedeihen lassen, schon vorausgesetzt werden muß, wenn solche Rabbiner überhaupt zu Stande kommen sollen. Geschieht dieses aber, so fragen wir wozu überhaupt der aufgeklärte gebildete Jude eines Rabbiners bedürfe? Die jüdische Kirche verlangt keinen symbolischen Gottesdienst, und duldet ihn nicht. Verrichtungen dieser Art würden also dem Rabbiner keineswegs obliegen. Was bliebe ihm aber sonst zu thun übrig? Man wird sagen: er soll Sittlichkeit predigen, wie es die!) Geistlichen der Christen thun. Die Unrichtigkeit aber dieser Forderung zeigt sich von selbst wenn man bedenkt, daß für uncivilisirte (ausser dem Staatsverein lebende) Menschen keine andere Sittlichkeit denkbar ist, als die welche in angebohrnen Gefühlen ihren Grund hat, und diese bedarf keines Predigers. Setzen wir aber die Juden als solche die noch eines Rabbiners bedürfen, das heißt als größtenteils ungeläuterten Sinnes, wie sie doch von Jenen müssen gedacht worden seyn, von denen die Constitution ausgegangen ist; so fragen wir wieder: wie will man denn zu einem Normalen Rabbiner gelangen? Denn welcher junge Mann der nach Forderung des 3ten Zn) durch akademische Studien sich gebildet hat, und also einen empfänglichen Boden für seine Thätigkeit sich wünschen muß, welcher so gebildete Mann, fragen wir^), wird Lust haben einem obscuren Haufen vorzustehen, der seine Lehren selten verstehen, und die verstandnen unmöglich lieben kann? Der Verfasser der Bemerkungen führt hier wieder gar lose und schalkhafte Reden. Der schelmische Mann weis es sehr wohl, wie empfindlich die Bisse seines Witzes sehn müssen, da sie zugleich an jene grunzende Creatur errinnern, deren Fleisch der Jude aus seiner Speisekammer entfernt halten muß. Aus Seite 11 nehmlich beliebt es ihm die Juden eine ehri) Fr.: „christlichen Geistlichen". ^) Fr.: „frage ich", weißt sie aä exaiuen an das OousiLtoriuni H-USustanas coukessionis, welches denjenigen dem souverainen Fürsten zur Bestätigung vorschlägt, welcher am besten darin bestanden ist, auch seiner sittlichen und andern Eigenschaften wegen, ihm am empfehlungs würdigsten scheint. Sie werden durch den fürstlichen Commissair hierauf installirt". *) „Der Ober-Rabbiner sowohl, als die Unter-Rabbiner mutzen Deutsche von Geburt seyn, und mehrere Jahre auf einer deutschen Universität oder einem Gymnasium die Philosophie nach allen ihren Theilen (insbesondere die Moral-Philosophie) dann die orientalische Sprachen studirt haben". Zum Theil ähnliche Anforderungen hat die böhmische Iudenordnung § 3 gestellt.

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