Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 226 (sequence 26)
- Language
- German
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226 Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig BLrne's über jüd. Dinge. über, daß sie es ungeahndet und — unbeachtet ließen, wenn es jemand wage ihre Gesetzgebung vor dem Richterstuhle der Vernunft zu ziehen. In wie fern dieses Compliment eine Anwendung erlaubte, aus die erlauchte Person des Fürsten Primas, so müsste seine erhabne Weisheit über ein solches pleonastisches') Lob sich beleidigt fühlen; und die Zeit des 19ten Jahrhunderts als ein Weib voll Kraft und Keuschheit, würde über die Galanterieen des Bemerkers erröthen, wenn ihr Autors ein Mann wäre der Achtung verdiente. Der Verfasser der Bemerkungen beschränkte sich auf die Punkte, die Jakobsohn berührt hat; wir aber haben unserer Betrachtung einen weiteren Kreis gezogen. Der Verfasser der unterthänigsten Vorstellung bezweckte blos darzuthun, wie der Geist der Verkehrtheit, durch die Verordnung im allgemeinen^) waltet, und dazu war hinreichend nur einige Punkte aus ihr*) herauszuheben. Wir aber werden uns bemühen zu zeigen, wie in jedem einzelnen Paragraphen des Dekrets, der Geist der Bosheit sich beurkundet die ihn diktirt hat, und die Hand der Dummheit die ihn niedergeschrieben. Um die Tauglichkeit irgend einer Handlung zu erproben müssen wir sie der Critik des Verstandes unterwerfen. In dem Falle nun, daß sie als unwürdig befunden wird, giebt es dreh verschiedene Begriffe durch die der Grad ihrer UnWürdigkeit bestimmt ^) wird. Entweder nähmlich ist der Zweck der Handlung ein schlechter, oder die Wahl der Mittel ist mislungen, oder Mittel und Zweck sind gleich verdammlich "). Wir werden bei unserer Prüfung der Stättigkeitsordnung Gelegenheit haben, alle drey Grade eines verdammenden Urthcils in Anwendung zu bringen '). Schon die Einleitung zur^) Stättigkeitsordnung worin sie sanctionirt wird, bereitet uns schmerzlich vor auf das was wir zu erwarten haben. ES werden Begriffe darin ausgesprochen, die den Grundsätzen einer gesunden Politik Hohn sprechen, und nur da zu stehen scheinen um sich selber zu belachten. Wie aber kann ein Gesetz auf die Achtung seiner Unterthanen Anspruch machen, wenn es^) damit beginnt seiner selbst zu spotten?^)!) „pleonastisches" ist eingeschoben. — Fr.: „Verfasser". — 3) Fr.: „ganze Verordnung". — 4) Fr.: derselben. — ^) Fr: bezeichnet. — ") Zu diesem Satze am Rand ein von Börne herrührender Rothstiftstrich. — Am Rande steht, wohl nur zur eigenen Orientirung: (Ende des Prologs). — 2) Fr.: „der". — Statt „wenn es" fr.: „das". *) „Wir Carl von Gottes Gnaden" zc. Urkunden und erklären andurch: Wir haben Uns seit Unserm Regierungsantritte in Frankfurt zum Lstern zu überzeugen Gelegenheit gehabt, daß die Verhältnisse der dortigen Jndenschast, so-