Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 224 (sequence 24)
- Language
- German
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224 Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüd. Dinge. Freymiithige Bemerkungen über die neue Stättigkeits und Schutzordnung für die Judenschaft in Frankfurth am Mahn, mit besonderer Hinsicht ans die Critik der Jakobsohnschen Schrift denselben Gegenstand betreffend. Prolog i). Es war zu jeder Zeit?) ein Gemeinspruch der Prediger gewesen, daß man bei 2) Erforschung der Wahrheit suchen müsse sich soviel als möglich vor dem Einfluße der Leidenschast zu bewahren. Schon der bedingende Zusatz „soviel als möglich" ^) zeugt unwillkührlich gegen die gänzliche Ausführbarkeit jener Forderung ^). Der alte sündliche Wahn vieler Köpfe, der Leib und Geist auf verschiedene Stufen des Ranges stellt, ist es auch, welcher Bater war zu jener Naturwidrigen Moral- und Klugheitsregel. Wir hoffen es von dem Geiste des Zeitalters, der die Scheidewand niederriß die Bürger von Bürgern trennte, daß es ihm auch gelingen wird, die Kluft auszufüllen die Philosophen zwischen Seele und Körper bereitet haben. Wir bemerken blos, daß wenn es auch wirklich möglich wäre, die Thätigkeit des Geistes rein wirken zu lassen, ungetrübt von dem Einfluße der persönlichen Lüste, daß dieses doch aus keinen Fall auch wiin - schenswerth sey. Denn gleichwie der Körper mit einem Geschmacksinne begabt ist, der in ihm die Sehnsucht nach Nahrung erregt, ohne welche er nicht bestehen kann: so ist auch ein ähnlicher Sinn dem Geiste gegeben, welcher ihn reizt, die Speise die sein Leben unterhält zu suchen, und sie sich anzueignen. Dieser Gaumen des Geistes aber ist nichts anders ^) als die Leidenschaft. Sie allein ist es welche die Wissbegierde erregt, uud nicht ermüden läßt. Ob nun zwar hier der Ort nicht ist, wo dieses erörtert werden soll, so haben wir doch für nöthig erachtet, obige Sätze unfern Betrachtungen6) voranzuschicken, um nähmlich einem Vorwurf gleich") anfänglich zu begegnen, dem wir gewiß nicht entgehen werden. Und zwar Barianten: („Fr." bedeutet „frühere Fassung".) ^) Fr.: „Einleitung". — 2) Fr.: jeder Zeit und allen Orten war es". — 5) Fr.; „bei der". — ^) „so viel als möglich" ist eingeschoben. — 5) Fr.: „von der UnausMrvarkeit dieser Forderung". — Fr: „jene". — Fr.: „würken". — 6) „anders" eingeschoben. — Fr.: „Gegenbemerkungen". — Fr.: „ganz".