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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 223

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
Date
1890-01-01
Page
Seite 223 (sequence 23)
Language
German
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Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Lndwig BLrne's über jüd. Dinge. 233 „und mit lezteren daher in keine Collision kommen können. Aber eben „darum weil sie fürchteten ihr tausendjähriger Haß der ihnen als ein Erbstück so lieb geworden war, möchte aus Mangel eines Sporns nach und „nach erschlaffen, so haben sie sich willig gefunden von den Motiven der „Frankfurter Kaufmannschaft zur feindlichen Thätigkeit gegen die Juden sich „anpeitschen ') zu lassen. So entstand die Stättigkeit; daß sie aber vom „Fürsten sanctionirt ward, ist eher ein Beweis -) seiner Huld und Gnade „als des Gegentheils ^). Denn wenn das Gemählde das man ihm von „den Juden gemacht hat, treffen^ wäre, dann müsste die Strenge der „Stättigkeit uns selbst noch als die ausschweifendste Toleranz erscheinen, „als eine verdammenswerthe Affenliebe die man für ein Gesindel hegt, das „der 4) Luft nicht Werth ist die es einathmet. Hätte man die Juden nur „mittelmäßig verläumdet, dann würde der Weisheit des Fürsten die Absicht „der Boßheit nicht entgangen seyn^), er hätte selbst geprüft und sie«) wären „gerettet. Da man aber so kolossale Lügen aufgestellt und die Juden mit „so unerhörter Frechheit angeschwärzt hat, so wäre es eines edlen Mannes „unwürdig gewesen Betrug da zu ahnden, wo man nur die Hand auszustrecken braucht um die Wahrheit zu ergreifen. Eine Deckes hat man „hingehängt zwischen dem Wohlwollen des Fürsten und seinen schmachtenden Unterthanen, die nur die Zeit kann aufheben. Denn das weiß man „wohl, sie s) durch Sklavendruck entmuthet ^) kühn und geziemend zu reden „zu dem Großen der Erde, die Juden selbst werden nie jenen Vorhang „wegziehen. Gezwungen nur dem Bauche zu frohnen mußten sie ja „entübt werden für jede edle Thätigkeit, und das räthselhafte Lallen des „Kindes versteht wohl das hinhorchende Ohr des MutLerherzens, aber kein „Fremder") Ermattet ja auch stäts die Kraft zu klagen wo der Schmerz „unbändig ist, und von denen ist keine fruchtbringende Aerndte zu erwarten, „die aus Nethdurft das Saatkorn verzehren müssen. Aber es ist ein „Schicksal das unabhängig waltet von dem Einfluß der Menschen, es „kömmt ein Tag der vieles ^) aufklärt — und er ist nicht fern. Mögen die „Pygmäen zittern die den Riesengeist der Zeit verspotteten; doch ihre „Schwäche wird ihr Schutz seyn, denn zur Rache ^) der Nemesis sind sie „viel zu klein. Mögen sie erbeben") jene chaotische Menschen deren schwarze „Seelen nicht verklärt werden können, nicht durch allen Demantglanz „ihres Handwerks. Er wird kommen der Tag des Gerichts. Mögen die „Juden zu seinem Empfange sich festlich bereiten, und streben sich seiner „Werth zu machen. i) Fr.: „anspornen". — 2) Fr.: „der sprechendste Beweis". — 3) die letzten drei Worte am Rande zugefügt. — ^) Fr.: „die". — ^) Fr.: „hätte — entgehen können". — <') Fr.: „wir". — Fr.: Einen Borhang. — 8) Fr.: „die Juden". - Fr.: „entübt". — „jede" später zugefügt. — ") Dieser Satz von „Gezwungen" ab ist nachträglich zugefügt. - ^) Fr.: „alles". — Fr., „zum Opfer". — Fr.: „erblassen". 45 .. 55 Zeitschr. f. d. Gesch. d. Juden i. Deutschs. IV. 15

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