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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 222

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
Date
1890-01-01
Page
Seite 222 (sequence 22)
Language
German
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222 Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüd. Dinge. sFragment.^ „Der 151 Z^) ist derjenige welcher uns richtet, entscheidend, ob „unsre Prüfung treu gewesen oder nicht. Denn da er sich im Namen „eines Fürsten ausspricht, den man blos zu nennen braucht um an Weisheit und Milde zu erinnern: so würden wir die Reden nicht geführt „haben wie wir sie geführt wenn wir nur im schwankenden Besitze des „Rechtes wären. Nimmer hätten wir so kek dem Hohne der Welt uns „Preis gestellt, indem wir das Werk des Erhabenen rügen dessen Seele „nicht unser Lob nicht unser Tadel berührt 2); so selbstmörderisch hätten „wir die Eigenliebe nicht behandeln mögen, wenn wir uns unfähig fühlten „zu beweisen, daß die Stättigkeit nicht die Schöpfung desjenigen seyn kann, „der nur Aehnliches seiner Natur, nur großes. Herrliches, Schönes hervorbringen kann. Dieses zu beweisen eilen wir. Für euch Ihr hochherzigen „Leser, denen es bewußt ist wie jeder edlen Seele das Bestreben inwohnet, „die eigne Gestalt der umgebenden Welt einzuprägen, für Euch bedarf es „des Beweises nicht. Jenen aber die beschränktes Sinnes als Ursache und „Wirkung stäts das betrachten, was sie neben einander oder aufeinander „folgen sehen, zu jenen sei das Wort gerichtet. Sie mögen es wissen, daß „die Stättigkeitsordnung für die Frankfurter Judenschaft weder in dem „Geiste des erlauchten Fürsten Primas seinen Ursprung hat noch von dem „Edelmuth seines Herzens gebilligt worden ist. Der Mann der in seinen „Schriften Ansichten niederlegte, wie sie eines Philosophen würdig sind, dem „es sein Genius vergönnte, was Natur und Geschichte insgeheim beschließen, zu erhorchen u. zu verkündigen: ein solcher Geist kann von dem „Urtheile der Menge nicht befangen seyn, kann nicht gut finden das Gerede „des Volkes, das nie vermag den Keim zu erkennen vor seiner Entwicklung, die Kraft die thatenlos bleibt, und die Fähigkeit die unfertig ist. „Er kann unmöglich dem behstimmen was der ungehobelte Peubel gegen „den Juden ausstößt, denn wie ersterem zu hassen und zu lästern stäts Bedürfnis ist, so sind leztere ausersehen der rohen Volkslust das Ziel zu „sehn. Doch auch ^) die Männer von denen die Stättigkeit verfasst worden „sind nicht vom Volke welche, auch nicht von den Unverständigen. Wie „aber die Natur nach einem ewigen Gesetze stäts nach dem Gleichgewichte „strebt, so ist auch das Herz jener Legislatoren um so entarteter, je Größer „die Kraft ihres Kopfes ist. Denn daran genügte ihnen nicht, die Böße „Lust des Gemüths ^) auf einmal zu sättigen, sie suchten auch ihren Durst „nach Hasse mit aller Kunst zu reizen und zu unterhalten, um ihn unaufhörlich befriedigen zu können. Die Legislatoren, wie wir sie kennen „konnten unmöglich von einem Interesse der Persönlichkeit dahin verleitet „worden seyn den Juden so zuwider zu handlen, da sie keine Kaufleute sind, Barianten. (Mit Weglassung einiger unwesentlichsten. Fr. bedeutet: Frühere Fassung.) ') Fr.: „tadeln". — 2) Fr.: „berühren kann". — 3) ,.auch" später zugefügt. — ^) Fr.: „Herzens". — *) „Der souveraine Fürst behält sich übrigens vor, gegenwärtige Verordnung, den Umständen und dem sich zeigenden Erfolg nach, zu mehren, zu mindern oder ganz auszuheben." S. Note ans S.' 217.

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