Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 220

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
Date
1890-01-01
Page
Seite 220 (sequence 20)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2259275-2259324-2259327-2264517--1622-2264655
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

220 Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüd. Dinge. wenn man erwägt, daß erst seit kürzester Zeit Denjenigen, welche sie redeten, mit etwas Anderem als der schnödesten Mißachtung begegnet wurde. Aber von der Sprache dieser Männer, sehr edle und thatkrästige unter ihnen mit einbegriffen, zu derjenigen eines Börne ist es noch weit. Die Sprache des Jünglings schreitet von der tausendjährigen Knechtschaft seiner Vorahnen, von der Knechtschaft, in der seine Umgebung noch immer lebte, ebenso unberührt daher, wie später die Stimme des ausgereisten Mannes ertönt, unbeirrt durch Furcht, durch keinerlei Taktik beengt oder verschnörkelt, wie sie später frei ertönt für Ehre und Wohl der deutschen Volksgemeinschaft, für das Wohl der menschlichen Gesellschaft überhaupt. Auch der jugendliche Börne stand bereits auf einer höheren Zinne als derjenigen der Race oder des Confessionalismus'). Von dem in der Schrift herrschenden außerordentlichen Freimuth weichen auch die dem Fürsten gespendeten zahlreichen Lobeserhebungen nicht ab. Denn Dalbergs Rechtschaffenheit und Menschenfreundlichkeit waren mit Recht über allen Zweifel erhaben und wenn Börne einen zu großen Theil der Schuld an der zunächst so ungünstigen Entwicklung der Dinge für die Juden (das Decret, welches nachmals die bürgerliche Rechtsgleichheit der Juden herstellte, datirt vom 28. December 1811), der Umgebung des Fürsten, einen zu geringen ihm selbst beimißt, so theilt er diesen Jrrthum, wie wir gesehen haben, mit zahlreichen Andern aus der Judenschast. Nicht allein um ihres Freimuths willen dürfte die Schrift der Oeffentlichkeit vorenthalten geblieben sein: es läßt sich nicht verkennen, daß in ihr sowohl die schwer vermeidlichen „Fehler ihrer Vorzüge", als auch Übereilungen und mehrfache äußere Mängel zu Tage treten; man darf nicht übersehen, daß das erhaltene Manuscript nicht nur die Arbeit eines jungen Mannes, sondern auch die jedenfalls rasch niedergeschriebene, nicht druckfertige, noch nicht revidirte eines solchen ist. Es fehlt nicht an überscharfen Urtheilen, an gewagten Schlüssen und Paradoxen (die sich nicht nur gegen die Judenfeinde kehren), die thatsächlichen Vorgänge sind öfters nicht correct dargestellt. Erwägt man, daß allein aus letzterem Grunde die Schrift einer Revision bedurft hätte, daß aber die Börne bis zum Wiederabgang zur Universität zugemessene Zeit jedenfalls eine sehr kurze war, so wird man es schon hieraus allein erklärlich finden, daß sie nicht erschienen ist. Möglich, daß Börne seine Arbeit nachmals wenigstens theilweise zu verwerthen gedacht hat. Folgenden Brief hat Jacobsohn am 19. October 1810 an Börne ') /,3ch bin kein Iudenfreund, ich bin der Freund aller Menschen", sagt Börne (1819) in dem kleinen gegen Varrentrapp gerichteten Aussatz: „Der kleine Haman" (Zeitschwingen S. 237 ff.) und „Hui ne 86 sudoräcmne xa8 a sa xatrie, 8a xatrie au Zenre Luinaln, et 1s Keurs duuiain. a visu, n'a xa8 x1u8 eennu 1e8 1oi8 äs 1a xolitique, yue eelui aui, 8e tai8ant une xk^iHue xour lui seuZ, et separant. 8es re1ati0N8 personelle ä'avee les elements, 1a terre et 1e 8v1ei1, n'aurait eonnu 168 1oi8 de 1a nature" ist das Motto, welches er seiner letzten Schrift, „Menzel der Franzosenfresser", vorangesetzt hat.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.