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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 219

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
Date
1890-01-01
Page
Seite 219 (sequence 19)
Language
German
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Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig BLrne's über jüd. Dinge. 219 April 1808. Denn Börne ließ sich bereits am 10. Mai dieses Jahres in Gießen inscribiren^), und die etwa noch mögliche Annahme, daß die Schrift erst nach Börne's Doctorpromotion, also nach dem 8. August 1808, versaßt worden, scheint mit ihrer ganzen Färbung und verschiedenen Anspielungen, die sich in ihr finden, nicht vereinbar^). Geringem Zweifel kann es wohl auch unterliegen, daß Börne die Anregung zu seiner Arbeit von dem Vater erhalten hat. Wir haben ja gesehen, daß Jacob Baruch als Baumeister in den officiellen Handlungen, die mit der Einführung der Stättigkeit verbunden waren, eine Rolle spielte: nichts natürlicher, als daß der Vater den aus Heidelberg heimkehrenden Sohn von den Ereignissen unterricktete und ihn anspornte seine junge Kraft im Dienste der bedrängten Gemeinde zu erproben. Warum aber ist die Schrift des geistvollen Jünglings von ihren Beranlassern nicht veröffentlicht worden? Der Leser wird die Gründe errathen. Es werden theilweise dieselben Gründe gewesen sein, die auch bei einer späteren Gelegenheit, acht Jahre später, den alten Baruch bestimmt haben sollen, eine gleichfalls von seinem Sohne zu Gunsten der Juden verfaßte und schon gedruckte Broschüre „Die Juden in der stehen Stadt Frankfurt und ihre Gegner" aus dem Handel zurückzuziehend). Man kann den Juden jener Zeit, wenn man gerecht sein will, nicht vorwerfen, daß ihr Auftreten ein feiges gewesen und ihre Sprache ist eher noch kühn zu nennen. ') S. Ho lzmann, vr. M. Ludwig Börne, Verl. 888 S. 69. Beiläufig will ich hier anführen, daß Börne im Sommer 1809 nochmals in Gießen gewesen sein muß; es befinden sich nämlich in einem aus jener Zeit erhaltenen Stammbuche aus Gießen datirte Blätter von „dem alten akademischen Freund und baldigen Kollegen Diedrichs aus Mecklenburg-Schwerin (8. März), Wilhelmine Eckstein (29. März), stu<Z. jur. Ferd. Beck aus Höchst im Odenwald (1. Juli), Thomas Cope (1. Juli), F. Boehm (12. Juli), Louis von Meseritz „ehemals preuß. Osficier" (Juli)". — Aus dem Gießener Aufenthalt von 1808 rühren dagegen gar keine Albumblätter her, wie denn überhanpt die Aufschluß gebenden Documente über Börne's Jugendzeit außerordentlich dürstige find. 2) U. A. ist am Schlüsse der Börne'schen Abhandlung von einem „vor Kurzem" stattgefundenen Balle die Rede, mit dem die Bürgerschaft ihre Freude über die glückliche Zurückkunft des Fürsten kundgegeben habe; dieser Ball ist aber am 18. April abgehalten worden. 2) Vgl. Gutzkow, Börne's Leben, 1840, S. 94; Holzmann a. a. O. S. 87. (Den größeren Theil dieser 1816 verfaßten Broschüre druckte Börne nachmals in den Zeitschwingen vom 21. Aug. 1819 wieder ab; siehe in der 1862er Ausgabe der Gesammelten Schriften Bd. 2, S. 385 ff.) Nach einer Gutzkow'schen, auch in spätere Schriften übergangenen Angabe würde die 1816 von den Vorstehern der Judengemeinde herausgegebene „Actenmaßige Darstellung des Bürgerrechts der Israeliten in Frankfurt am Main. Gedruckt bei W. Heidenheim in Rödelheim 1816" gleichfalls von Börne besorgt sein. Da Gutzkows Angaben vielfach auf Mittheilungen der nächsten Freunde Börne's beruhen, ist es immer bedenklich, sie in Zweifel zu stellen. Mir scheint indeß, daß hier Börne höchstens eine Mitarbeit, etwa ein Herbeibringen von Material, zuzuschreiben sein dürfte. Denn die Vorrede zur gedachten „Actenmäßigen Darstellung" ist durchaus nicht im Börne'schen Styl geschrieben und auch die Gesammtredaction dürste nach einem von Börne selbst über die Denkschrift gefällten Urtheil schwerlich ganz in dessem Sinne gewesen sein. (Vgl.: Die Juden in der freyen Stadt Franks, zc. S. 17 f. und Ges. Schr. 1862er Ausg. Bd. 2, S. 396.)

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