Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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218 Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüd. Dinge. datirt'). Der Autor erscheint in ihr bewegt von dem Gedanken, daß die Stättigkeit mit dem erhabenen Namen, den sie an der Stirn trage zum namenlosen Unglück seiner Glaubensgenossen nicht nur in Frankfurt sondern in ganz Europa wirken müsse. „Möchten Ew. Hoheit gnädigst meine. Stimme hören", ruft er aus! „Möchten Sie mich auffordern — was ich ohne ausdrücklichen Befehl nicht mich unterwinden darf — Ihnen anzugeben, wir meinen unglücklichen Brüdern in Frankfurt wirklich zu helfen wäre" . . . Jacobsohn's Schrift ist Anfangs Februar nach Frankfurt gelangt, zunächst an den Buchhändler Körner zum Weitervertrieb. Eine Menge Ballen mit dieser „unreiffen Oritiyue" habe Körner empfangen, schreibt Graf von Beust ärgerlich und geringschätzig zugleich. Dem Geschäftsmann bangte indeß vor den möglichen Folgen und er wandte sich an Jtzstein mit der Anfrage, ob er sie verkaufen dürfe. Dieser wußte bereits, daß ein Exemplar der Schrift dem Fürsten selbst zugeschickt worden war. Er votirte dafür, daß ihre Verbreitung zwar nicht ausdrücklich erlaubt, aber auch nicht verboten werden solle: der Buchhändler solle auf sein eigenes Ermessen verwiesen werden. Zur Begründung dieses von der Generalcommission angenommenen Votums bemerkte er: „Einem hießigen Untertan „und Einwohner würde es nicht zustehen, seine Gedancken über eine fürstliche Verordnung in dießer Sprache im 'öffentlichen Druck vorzulegen, „einem fremden ist das nicht zu wehren. Anzüglichkeiten, Beleidigungen „und unerlaubte Ausdrücke enthält das Werkgen nicht. Nach meiner Ansicht hat der Verfasser in ungemeßener Sprache seine von Localität ab- „gewendete Meinung gesagt, im Eifer gesagt, und Bemerckungen niedergeschrieben, welche leicht zu wiederlegen. „Ein Verbot, dieses Werkchen nicht zu verkaufen würde nicht nur „veranlassen, daß solches desto mehr gelesen würde, würde auch zu erkennen „geben, als ob man Privatmeinungen Schrancken setzen wolle, ja man würde „glauben können, man fürchte das Gewicht der aufgestellten Gründe. „Der Buchhändler hat allgemeine Normen zu beobachten. Religion, „Staat, Sittlichkeit und Ehre des Privatmannes sind dessen Hauptgesichts- „punkte, die er ehren muß. Die verliegende Piece stößt dagegen nicht an, „daher glaube ich auch der verkaufende Buchhändler ist keiner Rüge unterworfen". Gegen Jacobsohn trat, — wie es scheint im März, — ein ungenannter Verfasser mit einer Broschüre in die Schranken^): diesen wiederum zu bekämpfen ist die Aufgabe gewesen, welche sich die Schrift des jungen Börne, die wir hier mittheilen, stellte. Das Datum ihrer Entstehung läßt sich meines Erachtens genau bestimmen, es dürfte kein späteres sein als t) Vgl. hierzu auch Geiger, Goethe und die Juden Bd. I, S. 332 s. dieser Zeitschrift. Den ausführlichen Titel der Schrift s. u. S. 225. 2) Den genauen Titel der 48 Octavseiten starken anonymen Broschüre s. unten S. 225. Vgl. auch Geiger a. a. O. Auch noch von anderer Seite fand die Broschüre Widerspruch. Hofrath Lüder veröffentlichte 1808 eine Schrift: „Ueber die Veredelung der Menschen, besonders der Juden durch die Regierung. Nebst einem Sendschreiben an den Verfasser der Bemerkungen über des Herrn Geheimen-Finaazraths Jacobsohn Vorstellung an den Fürsten Primas".