Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 215 (sequence 15)
- Language
- German
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Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig Borne's über jüd. Dinge. 215 D. K. Weisweiler; B. S. Goldschmidt; G. K. Amschel; I. M. Hamburger; L. H. Götz; M. I. Emden; I. S. Stern; M. H. Fuld. Keineswegs mit Genugthuung und Freude empfingen die Erkorenen die Nachricht von der ihnen widerfahrenen Ehre. Als ihnen ihre Ernennung am 12. Februar persönlich verkündigt werden sollte, erschienen zwar noch acht Erwählte: Kann und GumprechL waren krank, Psungst und Stern verreist; letzterer wie wir wissen nach Paris. Aber am folgenden Morgen bereits mußte Seeger zu seinem nicht geringen Verdruß von den acht am Vortage Erschienenen sieben eingelaufenen Entschuldigungsschreiben aus seinem Schreibtisch liegen sehen, — Entschuldigungsschreiben, die freilich nicht geeignet sind, Heiterkeit zu erwecken, wenn man die Gründe bedenkt, durch die sie wenigstens zumeist veranlaßt worden waren, wenn man nämlich erwägt, daß wesentlich das Widerstreben, sich zum Instrument einer verhaßten Knechtschaftsordnung herzugeben, das bestimmende Motiv der Ablehnung war, Entschuldigungsschreiben, die aber doch in der Form einigermaßen einen tragikomischen Eindruck machen. Viele wollen durch dringende Geschäfte, die Meisten überdies durch ein recht unästhetisches Uebel, an dem aber die damalige Judenschaft in Folge ihrer sitzenden Lebensweise sehr stark litt, verhindert sein. — Wie den gordischen Knoten zerhauen? Denn eine Verschwörung liegt vor; daran zweifelt Seeger nicht und wohl mit Recht nicht in gewissem Sinn. Den reichsten und angesehensten unter den Renitenten vorzunehmen; dahin geht sein Entschluß. Der wird wohl, mag er denken, als schwerer Geldmann am ehesten aus die schwere Regierungsseite fallen. Dieser Mann ist Speyer: I. Speyer aus der angesehenen Familie, die früher als die übrigen Glaubensgenossen, des besonderen Brückengeldes überhoben, nur einen jährlichen Aversionaltribut zahlend, über die Sachsenhäuser Brücke nach ihrer Offenbacher Besitzung hatte fahren dürfen. Speyer erscheint und gesteht offenbar, daß er durchaus nicht gern mit den Revolutionären gegangen sei. Er hatte sogar abgelehnt, Geld zu zahlen, als für die nach Paris zu sendenden Deputirten gesammelt wurde. Er wird also seine Weigerung zurückziehen am nächsten Termin, auf den die sieben Widerstrebenden vorgeladen sind. Der 15. Februar erscheint; aber trotz des tugendhaften Beispiels Speyers verbleiben die Meisten bei ihrem Widerstand und wenden sich noch am Abend desselben Tags mit einer Bittschrift um Dispensirung an Dalberg nach Paris. Zu den „eigentümlichen Familien- und Gesundheitsverhältnissen", heißt es in derselben, „träten noch moralische und religiöse Erwägungen hinzu, welche sie ohnehin zurückschrecken, ihre Seelenkräste lähmen und sie der Bekleidung unfähig machen, denn es ist ganz undenkbar, das Amt eines Gemeindevorstandes nach Vorschrift zu sühren ohne die Bruderliebe, ohne die Menschlichkeit und ohne den Glauben zu verrathen und zu verläugnen" ^). Diese Re- Das Gesuch ist von derselben ^chreiberhand geschrieben wie die übrigen größeren Vorstellungen der Juden: es ist darum eine Seeger'sche Vermuthung (6. ä. 28. Febr.) von Interesse, daß der „aus dem Styl sehr kennbare Federfuchser" der „berüchtigte Lt. Hartwig" Verfasser desselben sei. Den Gemeinten führen die zeitgenössischen Rathskalender umständlicher und nüchterner auf als: Friedr, Christian