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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 214

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
Date
1890-01-01
Page
Seite 214 (sequence 14)
Language
German
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214 Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig Börne s über jüd. Dinge. geklärten und gebildeten Juden. Unter den Letzteren sind manche gute Kopse, vernünftige und vorurtheilsfreye Männer, aber auch viele unbescheidene, vorlaute und anmasliche Leute. Die ortkoäoxs Parthei hat meistens dumme, allem Guten entgegenarbeitende, in dem crassesten ^Anatismus und LiKotisiimL versunkene und nur wenige durch ihre Gutmütigkeit Verstand und Einsichten ersetzende, leicht zum Bessern zu beredende Männer^). Da keine dieser zwei Hauptklassen das Vertrauen der andern unbedingt hat noch haben kann, so ist wie mir scheint, vorzüglich darauf zu sehen, daß man aus der einen sowie aus der andern Parthei erstlich die rechtschaffensten und moralisch besten, sodann aber die in ihrer Meinung gemäßigsten Männer wähle", (sud 6. Nov. 1807.) Man sieht, der Senat hatte sich in seinen Vorschlägen im Allgemeinen in den im Obigen von Eberstein vorgezeichneten Bahnen bewegt, freilich wohl mehr als dieser mit der conservativen Seite shmpathisirend. Ganz besonders einflußreich dürfte auf die Ausstellung der Liste Finanzrath Steitz gewesen sein, wenn er sie nicht gar, was nicht unwahrscheinlich ist, ganz allein gebildet hat. Darauf wenigstens würde eine frühere Anspielung Ebersteins schließen lassen, sowie der Umstand, daß in den Acten von Steitz' Hand geschriebene Charakteristiken aller vorgeschlagenen Personen vorhanden sind. — Interessant ist unter diesen für uns besonders diejenige von Börnes Vater. „23. Jacob Baruch Baumeister", heißt es da, „hat Verstand, ist ein Hofmann, bald altgläubig, bald Neolog, wie eine Wetterfahne". Nach dem was wir von dem alten Baruch wissen, möchte diese Bezeichnung nicht unzutreffend sein; sie darf darum wohl in uns ein günstiges Präjudiz für das treffende seiner übrigen Notizen erwecken 2). Folgende zwölf Personen wurden aus den Vorgeschlagenen ausgewählt: I. H. Speyer; G. L. zur Kanne; I. Pfungst; I. I. (Nümbrecht; 5) Interessante, jedoch zuweilen in der Generalisation etwas gewagte Schilderungen der moralischen und materiellen Zustände in der israelitischen Gemeinde, enthält eine bei den Akten befindliche anonyme, dem Fürsten Primas zugeschickte Denkschrift, welche dieser seinen Räthen zur Beachtuug empfiehlt. Dieselbe ist auch abgedruckt in Sulamith, Jahrgang 1807, gleichfalls ohne Namen des Verfassers. 2) Hier noch einige derselben als Proben: Joseph Hirsch Speyer, ein Sohn von dem kürzlich verstorbenen reichen und braven Banquier, gehört zwar nicht zu den altgläubigen — sondern ist mehr nsoloZe ist aber brav, reich und kein BrauWköpf. Gumpel Löb zur Kann — seit langer Zeit Baumeister rechtgläubig — jedoch weit entfernt von dem großen Talmudischen Ritual — außerdem viel Anstand. Joseph Pfungst ein junger Mann mit viel Bescheidenheit auf der Mittelstraß einherwandlen^. Isaak Jacob Gumbrecht, ähnlicher Art. Joseph Oppenheimer — altgläubig — der beste von denen gegenwärtig bestehenden Baumeister — der jedoch bei Rath um Dispensation nachgesucht hat. David Calmann Weisweiler — ein junger bescheidener Mann, den ich als einen den rechten Mittelweg wandelnden Juden kenne — zwar nicht reich jedoch vermögend. Israel Moses Worms — Baumeister — besucht die Leipzig und Braunschweiger Messe — nicht nsoloS. Moses Jacob Emden — altgläubig — jedoch von jeher mit der unordentlichen Haushaltung in der Gemeinde unzufrieden — daher empfehlenswerth.

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