Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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212 Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüd. Dinge. Die Juden, nach Beendigung des Actes vom 4. Januar, baten um eine Abschrift des Protocolls; nachdem ihnen dieselbe zu Theil geworden, ersuchten sie am 6. Januar flehentlich um Verschiebung der Promulgation. Am 20. Januar schickte die Gemeinde eine von 360 Personen unterzeichnete Bittschrift an Dalberg in Paris: er möge mit Vollziehung der Verordnung noch warten lassen, bis sie eine unterthänigste Vorstellung zu seinen Füßen gelegt haben würden. Diese Vorstellung, datirt Paris den 15. Februar 1808, scheint daselbst von den drei unterzeichneten Bevollmächtigten: Jakob Süskind Stern, Jsaac Hildesheimer und Beer Marcus Adler übergeben worden zu sein. Die Stättigkeit, meinen die Bittsteller, kann nicht aus den Gesinnungen Dalbergs fließen. Unleugbar, daß ihr Inhalt eingegeben, daß er mit dem Vortrag geschickt verwebt worden, welcher, wie der Eingang der neuen Judenordnung bezeuge t), dieser Schöpfung verhergegangen sei; unleugbar, daß ihr Verfasser weder die gnädigsten Verheißungen, die heiligsten staatsrechtlichen Grundsätze und Grundwahrheiten vor Augen gehabt habe, als vielmehr jene alte Stättigkeit von 1616, die Mutter der neuen. Wiederum, wie bereits in der Vorstellung vom 13. Mai, werden die Schriften des Fürsten benutzt und zwar auf eine geschickte Weise, um ihn in Widerspruch mit sich selbst zu setzen. In seinen „Betrachtungen über das Universum" habe Dalberg den Philosophen Mendelssohn an die Seite gestellt, einem Herder, d'Alembert, Lambert, Franklin und habe ausgerufen: „Aber o meine Schrift, wenn du das Glück hast, diesen und andern solchen Männern in die Hände zu fallen, bitte sie, dich zu beurtheilen .... wo du irrst werden sie dich — was ich so sehr wünsche —, zurechte weisen" Nun denn, der abgeschiedene Geist des verewigten Mendelssohn, den Hoheit berührter Maßen als competenten Richter höchst Seiner geistigen Werke öffentlich anerkennen, er rede Höchstdieselben, seinen Blick auf die Judenordnnng vom 30. November 1807 werfend, verklärt also an: „Das Recht auf unsere eigenen Gesinnungen ist unveräußerlich,.......Daher das mindeste Vorrecht, das ihr eueren Religions- und Gesinnungs-Berwandten 'öffentlich einräumt, eine indirecte Bestechung, die mindeste Freiheit, die ihr den Dissidenten entziehet, eine indirecte Bestrafung zu nennen ist .... Ihr ergreifet die unrechten Mittel, wenn ihr die Menschen durch Furcht und Hoffnung zur Annahme oder zur Verwerfung gewisser Lehrsätze führen wollt .... Ihr bestechet und verführt euer eigenes Herz oder euer Herz hat euch verführt, wenn ihr glaubt, Prüfung der Wahrheit könne bestehen, Freiheit der Untersuchung bleiben ungekränkt, wenn hier Stand und Würden, dort Verachtung und Dürftigkeit die Untersuchenden erwarten . . . ." 2). ') S. Note auf S. 226 f. 2) Diese «Betrachtungen über das Universum", von denen Dalbergs Biograph August Krämer sagt, sie „werden so lang classtsch bleiben, als das Universum selbst besteht", erschienen in erster Auslage 1777, in fünfter 1805. 2) Die Stelle ist der Mendelssohn'schen Schrift Jerusalem, Abschn. 2, entnommen; ich habe sie im Uebrigen nur verkürzt wiedergegeben.